KUNGFUTIUS´ COOLE ANTWORTEN

Gute Gedanken muss man auch von rückwärts anschauen können, meinte Novalis.

Das bedarf einiger Übersetzung: gute Gedanken lassen sich ohne weiteres in ihren Gegenteil verwandeln – und sie stimmen doch.

Wie gesagt war unserer tapferer Kungfutius ein großer Frager, aber noch mehr machte ihm das Antworten Spass. Dabei sind ihm jene Fragen am liebsten gewesen, wo er ganz scharf nachdenken mußte. Manchmal fiel ihm wochenlang keine gescheite Antwort auf eine besonders knifflige & komplexe Frage ein. So auch einmal, als er sich selbst ganz cool fragte, warum sind die Paragraphen wohl so kunstvoll verbogen?

 

 

Die Frage war so gut, dass ihm eine kluge Antwort darauf einfach nicht einfallen wollte. Da bildete er sich ein, die Frage aller Fragen kreiert zu haben, die beste Frage aller Zeiten sozusagen, denn die besten Fragen – so pflegte er zu sagen – sind jene, welche keine Antwort bedürfen.

Hier sind nun einige dieser klarer Antworten. Die asiatischen Steppenbewohner übrigens, pflegten solche Antworten als Orakel zu benutzen. Ob mit recht, das sei natürlich hingestellt.

Als Kungfutius einmal gefragt wurde, was er von der Obrigkeit halte, so wollte er nicht ausfallend oder sonstwas werden, sondern versuchte es, auf möglichst lustige Weise zu erklären, wie er die Obrigkeit sieht, und so erzählte er Kungfutianisches Gleichnis von den Blinden.

- Von der Obrigkeit geführte Menschheit scheint mir jenem Blinden zu ähneln, der von einem Blindenhund geführt wird, der selbst blind ist, und dazu noch vom chronischen Schnupfen geplagt.

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- Was ist normal? fragte man einmal.

- Normal ist uninteressant, antwortete Kungfutius: ausserdem unaussprechlich, und zwar im Sinn von Scham. Man sollte sich in der Tat jeglicher Normalität schämen. Und das sollte man lieber heute als morgen tun, denn früher oder später wird man eh begreifen müssen, dass die sogenannte Normalität nicht nur anomal, sondern auch amoralisch ist.

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- Wie siehst du die heutige Gesellschaft, Kungfutius? fragte einer.

- Als eine GmbH, antwortete Kungfutius trocken.

- Ach was! Und alle Sozialhilfeempfänger sind dann Aktionäre, wie? belustigte sich ein Spötter.

- Mit der Wirtschaft hat das nichts zu tun, meinte Kungfutius noch trockener: das heisst einfach `Gesellschaft mit beschränkten Horizonten`.

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Warum sitzt die Blondi auf der Heizung?

Weil der Heizungsmonteur ihr erzählt hatte, dass ihre Heizung leckt.

(Kungfutius´ Lieblingsblondinenwitz)

- Was hältst du von den Blondinenwitzen, Kungfutius? fragte einer, dem eben keine bessere Frage einfallen wollt. Kungfutius freute sich trotzdem über die Frage, weil er fand, auch eine schlechte Frage ist besser als überhaupt keine Frage.

- Tja, sagte er: an sich habe ich die Blondinenwitze nie verstanden, denn ich bin einem anderen, etwas weniger verbreiteten Vorurteil anheimgefallen: ich glaub(t)e nämlich, dass Schönheit, da so engelhaft, zugleich auch Klugheit und andere Integritäten bedeutet.

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Als Kungfutius wieder 1x ungezwungen seinen Absolutistischen Individualismus predigte, rebellierte einer aus dem Publikum:

- Qautsch! Individualität ist heute fortgeschrittener denn je! Jeder will ja zeigen, dass er besser ist als alle Anderen.

- Quatsch selbst! grunzte Kungfutius zurück, vielleicht war er an dem Tag unpässlich oder sonstwie nicht besonders gut drauf: ein Mensch, der sucht besser zu sein als die Anderen, bezeugt seinen Egoismus, keinesfalls aber seine Individualität. Individuell zu sein heisst nicht besser, sonder anders zu sein als alle Anderen.

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Es beklagte sich einmal ein geistiger Warmduscher bei Kungfutius über das harte Schicksal und grausames Los, das ihm beschieden wurde:

- Das ganze Leben nichts als Schocks, und Stress und Shit, klagte der Mann.

- Und Du beklagst Dich darüber, Du glücklicher Unglücklicher! rief Kungfutius von den Klagen angeödet: Du weisst wohl nicht, dass der Stahl durch Schocks gehärtet wird.

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- Was ist ein Handicap? erkundigte sich ein ganz Ahnungsloser bei Kungfutius.

- Das ist bei der Handy-Bimbos Abkürzung für Handy kaputt, meinte Kungfutius, der sich trotz seiner tiefen Ernsthaftigkeit ab und zu gerne diesen oder jenen Scherz erlaubte.

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Einer wollte von Kungfutius wissen, ob der Wille oder doch das Schicksal die Geschicke eines Menschen bedingt.

Tja, meinte Kungfutius: auf diese Frage kann man nur doppelt antworten. Zu einem dürfen die Glückspilze und sonstige Erfolgreiche durchwegs von starken Willen reden, zu anderen aber müssen die Pechvögel und andere gescheiterte Existenzen im Bann des Schicksals stehen.

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Man fragte Kungfutius, warum er so wenig von der Wahrheit halte?

- Wahrheit? meinte der Alte fast angeekelt: was ist überhaupt Wahrheit?... Oder, bessergefragt: wer weiss schon was wahr ist, und was unwahr?... Und ausserdem: für eine (mehr oder minder) gute Pointe (= Explosion des Geistes) lasse ich jede sogenannte Wahrheit sausen! Der Geist ist nämlich wertvoller als jede Wahrheit.

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Einmal kam ein Mensch vorbei und erkundigte sich klug bei Kungfutius, ob es ein Wort gibt, das als hässlichste aller Worte gelten kann, sozusagen ein `Unwort an sich`.

- Klar gibt es das. Das ist das Wörtchen `wir`. Denn in der Zeit, wo nur Aus-der-Reihe-Tanzen Heil bringen kann, ist jedes `wir` ein Verbrechen gegen die Übermenschlichkeit.

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- Was ist bloss mit den Menschen los, Kungfutius? fragte jemand: Alle behaupten, ihnen geht es besser denn je, und trotzdem klagen sie alle über die schlechten Zeiten und schlechte Menschen.

- Das ist darum, weil die Zeiten dumm sind, und die Dummheit tut weh. Darum klagt man ständig!

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Ein Mensch erzählte Kungfutius, der Kanzler soll (wieder einmal) total genervt sein.

- Was heisst hier der Kanzler? erwiderte Kungfutius: wir alle sind total genervt!

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Man fragte Kungfutius, ob die Demokratie gut ist.

- Klar ist die Demokratie gut. Einzig schlechte an ihr ist, dass man erst nach der Wahl die Qual hat.

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- Was ist die Freiheit, Kungfutius? fragte jemand begierig.

- Wahre Freiheit bedeutet, freien Blick zu haben, das heisst, die Möglichkeit und Muse zu sehen, sagte Kungfutius, diesmal ohne viel nachzudenken; offensichtlich hatte er schon früher sehr viel über die Freiheit nachgedacht.

- Ach, was faselst du da immer von der wahren Freiheit, Kungfutius! – sagte einer von Kungfutius` angewiderten Zuhörern: Du weisst es nicht einmal, dass wahre Freiheit nicht zu bestimmen ist, denn la liberte est un mystere wie Malebranche das sagte.

- Der gute irrte nur in zwei Buchstaben! behauptete Kungfutius: La liberte est un misère, hätte er sagen sollen. Das nämlich, was nach der Revolution unter dem Schwindeletikett `Freiheit` auf die Agora und auf den Freien Markt kam, war alles andere als mysteriös – das war nur miserabel.

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Was meinst du, Kungfutse, stimmt das, dass in der Demokratie das Volk herrscht? fragte einer.

- Aber klar! Das ist auch leicht zu beweisen, da das Volk immer brutalere Gesetze gegen sich selbst erlässt. Das war nämlich schon immer in der Geschichte so, dass die Herrschenden gegen sich am härtesten vorgegangen sind.

Aber, das beweist auch, dass das Volk ein sehr weiser Herrscher ist.

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Es kam einmal zu Kungfutius ein sechzigjähriger Halbgreis, der den Weg ins Herz einer sechzehnjährigen Elfe suchte, in die er sich unsterblich verknallt hatte.

- Nun, ich wusste da nur einen Weg! meinte Kungfutius, der sich freute, jemanden mit Rat helfen, und noch mehr, jemanden verkuppeln zu können.

- Falls die Kleinen einen Hund hat, dann schreibst Du jeden Tag Liebesbriefe an diesen, so hast Du alle Chance, dass die Elfe Dich ins Herz einschliesst.

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- Woran kommt es im Leben an, Kungfutius? fragte ein Mann, der von sich stets behauptet, ein guter Mensch und ein Christ zu sein. Dabei zwinkerte er den anderen in der Runde zu, denn die Frage war selbstredend ironisch gemeint.

- Tja, meinte Kungfutius, ohne die Ironie überhaupt bemerkt zu haben: im Leben kommt es darauf an, hart zu kämpfen. Kämpfe also wie ein Samowar – oder wie nennt man diese japanische Kamikazekämpfer – und Dein Leben wird nicht vergebens.

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- Kannst du mir sagen, Kungfutius, was ist absurd? wollte einer Wissen.

- Tja, absurd ist vieles in dieser absurden Welt, am absurdesten aber erscheint mir, wenn die Globalisierungsgegner zum globalen Widerstand aufrufen. Jetzt verbleibt es noch, dass irgendeiner auf die Idee kommt, eine Antidemo-Demo zu organisieren.

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Einer wollte von Kungfutius wissen, ob es ausserhalb der Erde noch Intelligenz gibt?

- Das weiss ich nicht! gab Kungfutius ungezwungen und leger zu: ich bin mir noch nicht einmal sicher, dass es auf der Erde eine nennenswerte Intelligenz gibt.

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- Sage, Kungfutius, warum ist die Schadenfreude die schönste Freude? fragte einer.

- Das kommt davon, weil wir Menschen sehr nächstenliebend sind, wie es sich für gute Christen auch gehört. Darum freuen wir uns so aus vollen Herzen, dass der andere aus den Schaden nun endlich klug sein wird.

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- Weisst du es zufällig, Kungfutius, warum Weibsen so brutal auf Lügner abfahren? fragte einer.

- Das kommt davon, weil Frauen grosse Geräte lieben, und die Lügner grundsätzlich grössere Geräte haben. Wie bekannt wächst beim Lügen die Nase, und an der Nase des Mannes erkennt man ja seinen Johannes.

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- Warum greifen Haie grundlos die Menschen an? fragte ein Mensch fassungslos.

Die Frage ist nicht so interessant, meinte Kungfutius: Haie sind eben Tiere und wissen es nicht besser. Viel interessanter wäre es zu wissen, warum greifen die Menschen, die angeblich denkende Vernunftswesen sein sollen, grundlos die Haie an.

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Man fragte Kungfutius was er von sogenanntem Jugendwahn halte.

- Ja, meinte Kungfutius: dieser Wahn entlarvt den Zeitgeist als äusserst inhaltslos, denn die Jugend ist Verpackung (noch) ohne Inhalt.

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Es kam so ein kleines Görchen vorbei und wollte von Kungfutius wissen, was es einmal werden sollte. So sehr es darüber nachdenke, es will ihm einfach nichts gescheites einfallen.

- Vom vielen Nachdenken raucht mir buchstäblich der Kopf, und ich finde meinen Platz in der Welt trotzdem nicht, klagte die Kleine gar zu ratlos.

- Ja, meinte der Alte: Du bist offensichtlich ein Edelwesen, da Du Dir schon so viele Gedanken über Dich und über die Welt machst, obwohl Du noch ein Kind bist. So brauchst Du auch eine edle Beschäftigung. Und da wusste ich wohl etwas für Dich, und rate Dir, unbedingt den Laufbahn einer Brandstifterin einzuschlagen. Denn Brandstifter ist ein überaus edler Beruf. Bedenke nur, was das Resultat seiner Arbeit ist – ein gestifteter Brand. Und wie jeder weiss, ist es überaus edel und grosszügig etwas zu stiften. So werde nun Brandstifterin und Du wirst ein richtig edles Stiftsfräulein.

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- Sag mal, Kungfutius, meinst du nicht, dass die demokratische Elite zu einer Edelklasse mutiert? fragte jemand.

- Im Prinzip ja! machte es Kungfutius auf Radio Eriwan: edel ist stets die oberste Schicht, und das ist ja die herrschende Schicht, und das ist in einer Demokratie eben das Volk. So sind unsere Elitären bereits jetzt edle Menschen! Und zwar so edel, wie die oberen paar Milliarden.

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- Warum gibt es keine weibliche Form von Genie? fragte ein Schlaumeier.

- Ja, meinte Kungfutius nachdenklich: das kommt vielleicht davon, weil Frauen klüger sind als Männer. Schon darum mussten Männer denken lernen.

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- Kannst du in einem einzigen Satz eine Definition der Politik erstellen? wollte eine Aktivist von unserem tapferen Kungfutius wissen.

- Politik ist der beste Beweis der tierischen Herkunft des Menschen, meinte Kungfutius: auch in der übrigen Fauna werden die fitesten Bestien Anführer.

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- Sage, Kungfutius, warum verwandelte sich der Mensch in eine Bestie zurück? fragte jemand, der sich über viele Amokläufer und Kindermörder und sonstige Schandtäter wunderte.

- Das ist leicht zu beantworten. Das kommt davon, weil die Macht alles Menschliche verbietet, und da Mensch noch kein Übermensch ist, so muss er sich sozusagen zurück in die Bestie verwandeln.

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Es erkundigte sich einer bei Kungfutius, ob dieser es nicht toll findet, dass in Buenos Aires jenes Gelände der berüchtigten Marineakademie, wo die Junta ihre Gegner am laufenden Band massakrierte, nun zur Gedenkstädte erklärt werden sollte.

- Wieso? fragte Kungfutius zurück: das bedeutet nur, dass die Obrigkeit neue Plätze gefunden hatte, wo sie die aufmüpfigen Untertanen massakrieren kann, so braucht sie die alte Städte nicht mehr.

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- Kannst du uns sagen, Kungfutius, was Globalisierung eigentlich ist? fragte eine Gruppe Schulkids, die sich natürlich für ihre Zukunft brennend interessierten.

- Ja, die Globalisierung! sagte Kungfutius so bedächtig, als ob er diese Zukunft nicht allzu rosig vermutete; aber vielleicht trieb er nur Schabernack mit den Kleinen, denn er nahm die Sache anscheinend nicht besonders ernst: was Globalisierung eigentlich ist, das weiss kein Ferkel, doch es lassen sich verschiedene globale Angelegenheiten beobachten. So liegt ein globaler Akt zweifelsohne vor, wenn ein englischer Tanker, der in Liberia registriert ist und unter der Flagge Panamas mit der filipinischen und rumänischen Crew fährt, von einer russischen Firma gechartert wird und durch eine Havarie die Küsten Spaniens, Portugals und Frankreichs versaut. Immerhin sind darin mindestens 9 Länder auf 4 Kontinenten verwickelt. Nun nimmt viele solche globale Akten zusammen, und da habt Ihr die Globalisierung.

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Einmal sass Kungfutius auf der Strasse, als ein Mann vorbeiging, dem es anzusehen war, dass er vom Leben brutal hart angefasst wurde.

- Schaut da! sagte Kungfutius zu seinen Begleitern: das ist ein bedauernswerter Mensch. Der zweitgrösste Fehler seines Lebens war, dass er geheiratet hatte.

- Und was war sein grösster Fehler? wollte einer wissen.

- Dass er zum zweiten Mal heiratete.

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- Gibt es ein unfehlbares Erfolgsrezept? fragte einmal ein ganz Einfältiger.

- Natürlich gibt es das! sagte Kungfutius etwas ärgerlich, denn er liebte es nicht, wenn man ihn mit schlechten Fragen kam: mache es so wie alle anderen, dann verstehen Dich alle anderen und bewundern Dich, weil Du ihre verborgensten Empfindungen so gut getroffen hast. Der Erfolg ist Dir garantiert.

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- Was soll ich tun, um als Journalist Erfolg zu haben? fragte ein Medienmensch.

- Da gibt es ein unfehlbares und allseits bekanntes Rezept, ein ganz markantes Wort sozusagen! meinte Kungfutius: Fuck you! Fuck you! Fuck you!... Und die Leser mitfucken!

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Einer wollte von Kungfutius wissen, was er so von George W. Bush halte?

- Da ist mir Man from Arkansas doch lieber gewesen, meinte Kungfutius. Der Trieb es mit seinen Praktikantinnen, wahrend es der Texaner nur mit seinen Generälen treibe.

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Als man einmal in Streit geriet, so schrie man wild durcheinander, und jemand meinte, wer schreit ist eindeutig im Unrecht.

- Das hat mit dem Recht und/oder Unrecht nichts zu tun, meinte Kungfutius: wer schreit, hat einfach kaputte Nerven.

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Einer beklagte sich bie Kungfutius:

- Alles, was man tut, nutzt dem System. Was soll ich bloss machen, um nicht mitzumachen.

- Denke eben nicht mit! riet Kungfutius.

 

 

 

 

 

 

 

 

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