was demnächst als aufgabe für den kommenden menschen ansteht:

aufbrechen der verkrusteten strukturen.

trockenlegung der eiternden wunden.

sodann entwicklung eines neuen lebenswillens.

 DER NEUE MENSCH

DER ÜBERWINDER

UNTEILBARE DUALITÄT

© Unbekannt

Abheben!!!

(- auf dem Energiestrahl)

DIE `DREI IDEEN-THEORIE`

 

a) die Idee Welt

An sich ist die Welt Gottes, die Natur, der Weisheit letzter Schuss: die automatische, genetisch und morphologisch gesteuerte (besser: geregelte) Vorgänge sind eindeutig das beste was es gibt, weil sie ein Optimum der Entwicklung garantieren: aus Minimum an Fehlläufen, Maximum am Fortschritt herauszuholen. (Wie viele Fehlläufe es tatsächlich gibt, verdeutlichen schlichte Tatsachen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Ende Perms etwa dreiviertel aller damals Lebenden Arten urplötzlich von der Bildfläche verschwanden. Oder, noch drastischer, dass 99% aller Arten, die es je auf der Erde gab, wieder ausgestorben sind.) So ergibt sich, dass die Selbststeuerung der Welt eine enorm erfolgreiche Sache ist, die man eigentlich nicht besser machen kann. All die Schreckenslegenden die sich um die Hybris und Sünde an sich ranken, sind klar formulierte Ahnungen von der Unfehlbarkeit Gottes (= der Natur). Die Natur kann sich nicht irren! sagt man (zufällig irrigerweise): man lasse sich also am besten von der Natur leiten. Und das ist der Sinn der Idee Welt.

 

b) die Idee Mensch

Nun war diese Unfehlbarkeit doch recht unvollkommen. Die Zufallsstrukturen nämlich, all die Fehlläufe, garantierten knallhart, dass die Welt ein Jammertal der Tränen bleibt. Und vor allem störte die Vergänglichkeit, die der Idee Welt zugrunde liegt, denn eben die tut im Jammertal am schlimmsten weh. Darum ist eine grundsätzliche Veränderung des Systems erwünscht, und zwar für planvoll und willentlich agierende Wesen, indem man den Zufall weitgehend ausschaltet und an seiner Stelle die Entwicklung planmässig und rein bewusst steuert.

Das ist dann eben der Sinn der Idee Mensch. zufallausschliessend und planmässig die herkömmliche Natur zu verbessern, eigentlich zu vervollkommnen, damit diese Vollkommenheit einmal so ideal wird, dass sie die Domäne der unvollkommenen, natürlichen, vergänglichen Welt verlassen muss – als Bestreben nach dem Gegenpol, nach der Unvergänglichkeit also.

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Damit ist eigentlich das Urproblem des Menschen angesprochen. Einerseits weiss er (als biologisches Wesen), dass die Natur das Optimum der Entwicklung garantiert, anderseits aber wird er von seinem wilden Geist angetrieben, es noch besser zu machen. Da aber seine natürlichen Instinkte noch wesentlich stärker sind als sein Geist, so hat er Angst vor den Folgen seines Tuns, denn die Natur ist eben nicht zu perfektionieren. Aus dem Grund gibt es Umweltschutz und grenzenlose Tierliebe und sonstige rührende Auswüchse der Idee Mensch, die eigentlich mehr der Idee Welt zuzurechnen sind.

 

c) die Idee Gott

Dass es auch innerhalb dieser, von der Idee Mensch implizierten, planmässigen Steuerung zur Fehlläufen kommen kann, das tut nichts zur Sache, das ist unumgänglich, das bedeutet nur, dass der Zufall noch nicht gänzlich durch den Plan verdrängt wurde, meint, dass die Idee der Göttlichkeit noch nicht ganz reif ist.

Sie ist auch nur als ein Zustand der Allmacht vorstellbar, denn nur eine Allmacht wäre fähig, jeglichen Zufall auszuschliessen. (Und das ist noch ein Argument gegen Gott: ihn gibt es gar nicht, denn als solcher müsste er unbedingt allmächtig sein, denn was allmächtig kann schon der Natur der Sache nach keinen Zufall dulden.) Da aber die Natur nach ihrer absoluten Perfektion strebt, und diese nur als Gott vorstellbar ist, so ist es notwendig, diese Allmacht zu erfinden.

Das meint: der Mensch wird in jenem Augenblick aufhören Mensch zu sein, wo er zur Allmacht wird. Das wird er in dem Augenblick werden, wo es ihm gelingt, die Energie rein künstlich (das heisst buchstäblich aus dem Nichts) in jeder beliebigen Menge und Form zu erzeugen, denn nur so ein Zustand kann Allmacht (= Ewigkeit) bedeuten – das ist der Sinn der Idee Gott.

 

 

 

 

 

 

HOMO SAPIENS

(eine Kurzvita)

 

Die Entwicklung der Menschheit entspricht der des Einzelmenschen.

Die ganze Urgeschichte darf man als den pränatalen Zustand des Homo Sapiens auffassen, der eigentlich erst mit dem antiken Menschen geboren wurde... Und der war in der Tat nichts als ein Kind, das angesichts der Welt staunte, in die es unvermittelt, ohne zu wissen wie, hineingeboren war. Mittelalter war dann so etwas wie Pubertät, war durch Krisen gekennzeichnet, durch die sich auch der Einzelmensch von dem Unwissen und Ohnmacht der Kindheit löst. In der Renaissance verwandelte sich die Menschheit in den gewalttätigen, kräftesprühenden Twen, der sich, eben wie das Individuum im entsprechenden Alter, oft durch die Dummheit und scheinbar sinnlose Gewaltakte sozusagen `die Hörner abstiessen muss`. Mit der Aufklärung dann erreichte die Menschheit ihre Reife; wie der reife Mensch wurde sie extrem fleissig und produktiv, wurde enorm erfinderisch und klug, befreite sich durch die Revolution - wenigstens symbolisch - jeglicher Vormundschaft, um dann, gegen Ende des neunzehnten, Anfang zwanzigsten Jahrhunderts, greisenhaft weise zu werden: angeblich alle Geheimnisse kennend, auf alles Antwort wissend, sich gar die bisher ungeahnte Naturkräfte dienstbar machend.

Nun wird der Homo Sapiens Nachkommen hinterlassen, seine Kinder sozusagen, um die Idee Mensch weiter zu bringen. Das meint: die Idee Mensch macht eine Metamorphose durch. Das hatte sie bereits einige Male gemacht: vom Homo Habilis zum Homo Erectus, von diesem zum Sapiens...

Die Kinder überflügeln in der Regel ihre Eltern. Diese Verwandlung ist schon bei den einzelnen Menschheits-Generationen zu beobachten. Bereits unter früheren Menschheitsformen gab es Individuen, die den eigenen Zeitgenossen weit überlegen waren, und den Attribut `Sapiens` verdienten; die Schamanen der Urzeiten, zum Beispiel. Die führten dann auch die zukünftige Generationen auf diesen hohen Niveau. So geschah es dann auch mit dem Sapiens. Kaum war der Herbst des Mittelalters vorbei, und die Menschheit aus dem Pubertät heraus, begann sie Kinder zu zeugen, die keine Sapiense mehr waren, sondern richtige, superiore Wesen. Giordano Bruno war vielleicht der erste Baby-Übermensch... Interessanterweise äusserte er als erster die Vermutung, die Idee Gottes wäre kein Anfang, sondern das Ende der Entwicklung. Nicht also hatte Gott die Welt erschaffen, sondern die Welt hat die Aufgabe, Gott hervorzubringen. Aus dem Grund brachte die Schöpfung zuerst den Menschen hervor, als die erste Idee der Göttlichkeit - unter den Tieren ist die Gottesidee unbekannt...

Dem Menschen fällt nun die Aufgabe zu, sich in einen Demiurgos zu verwandeln, in das also, was Nietzsche `Übermensch` nannte; einen Halbgott, der fähig ist, in die Naturabläufe einzugreifen und sie zu lenken - was er heute, im rein technologischen Sinn bereits erreicht hatte -, und der seinerseits die Aufgabe haben wurde, sich in das Höchste zu verwandeln...

 

 

 

 

 

DER LETZTE MENSCH

 

Was bewegte Homo Sapiens Sapiens am meisten?

Wohl war das sein Wunsch, ewig zu leben.

Bereits `Gilgamesh`, ein von den ältesten Literaturzeugnissen, das noch aus der Zeit stammt, wo Homo SS ein soeben entbundenes Baby war, ist dieser Sehnsucht gewidmet. Diese Sehnsucht war auch ein Hauptanliegen der Alchemie und auch ein Grossteil der Kräfte in der heutigen Forschung hat direkt oder indirekt damit zu tun. (So sind die Potenzpillen indirekte Bestrebung ewig zu bestehen - durch eine ewige orgiastische Bereitschaft.)

Allerdings darf man bereits mit so gut wie absoluten Sicherheit annehmen, dass in der Biologie ja selbst innerhalb der ganzen herkömmlichen Schöpfung eine Unsterblichkeit unmöglich ist. Unsterblichkeit bedeutet Ewigkeit, und Ewigkeit steht im krassen Widerspruch zu einer Schöpfung, die auf der Zeit (= auf der [mechanischen] Bewegung) basiert, somit vergänglich sein muss – Zeit vergeht immer, d.h. die Zeit ist der Ewigkeit diametral. Darum war die Grundsehnsucht des Homo SS ein arges Irrtum. Das arme Wesen ging total verblendet durch eine Welt, die es nicht im Ansatz zu verstehen vermochte, weil es, um sich seine Grundsehnsucht zu erhalten, die (vergängliche) Welt die ihn umgab, in der Gestalt eines (ewigen) Gottes regelrecht falsifizieren musste, was meint, es hatte nicht die geringste Chance, diese, allen seinen Wünschen und Vorstellungen trotzende, Welt der Vergänglichkeit wirklich und richtig kennenzulernen.

Meint im Klartext, Homo SS ist wohl das tragischste aller hominiden Tieren. Der letzte Mensch, sozusagen. Kein Wunder, dass er die Tragödie so liebte und bei jeder melancholischen Szene Tränen der Rührung vergoss - da beweinte er sich selbst und seinen tragischen Schicksal der ewigen Irrung und Wirrung und zwangsbedingten Heuchelei.

Dabei hätte er allen Grund zu frohlocken und sich einer einzigartigen Seligkeit zu erfreuen, dieser Prachtexemplar eines (noch ziemlich) rohen Tieres! Denn er war schon ein Pfeil der Sehnsucht, wie ihm Nietzsche das attestierte. Und dieser, so hochgeschossene Pfeil erreichte in der Tat die Hurrikanischen Höhen, wo die Biologie (schon der dünnen Luft wegen, würde hier Nietzsche bemerken) zu existieren aufhört, wo man also rein zwangsläufig höher formatierten Existenzen erreichen muss.

Diesem letzten Menschen kann es in der Tat gelingen, den ersten Gott zu zeugen.

 

 

 

 

 

HANDLANGER DER GÖTTER

oder

das Menschsein als Aufgabe

 

“Die Aufgabe ist unsäglich gross und kühn...” schrieb Nietzsche.

Dass der Mensch innerhalb der Schöpfung eine besondere Rolle spielt, dass er sozusagen `eine Aufgabe hat`, das war ihm eigentlich bereits in der Urzeit bekannt. Die Mythologie reflektiert die Ahnung, dass die Schöpfung ohne ihn keinesfalls eine wohlgeordnete Angelegenheit wäre. Diese Ahnung wurde aus der Beobachtung geboren, dass unter allen Wesen einzig der Mensch ordnungsvoll (= planvoll/zufallausschliessend) zu wirken vermag; anderseits war es bekannt, dass Götter die Pläne verfolgen, um dies oder das zu bezwecken, um ihre Ansprüche der Ewigkeit aufrecht zu erhalten. Das meint, dass den Mythenbauer auch das Streben nach der Ewigkeit bekannt sein müsste, von dem sich die ganze Schöpfung antreiben lasse: die Ordnung ist die halbe Ewigkeit, denn mit ihr lasse sich bekanntlich viel Zeit `erschaffen`, ausserdem lasse sich eine planvolle Angelegenheit wesentlich länger erhalten – der Zufall ist der schlimmste Feind der Dauer.

Also sehen die Mythen den Menschen als einen Handlanger und Faktotum der Götter.

Nach sumerischen Mythen erschufen die Götter die Welt, die Pflanzen und Tiere, doch sie `bleiben ungesättigt`; noch haben sie den Menschen nicht erschaffen, der ihnen dienen soll. Tiere können diese Aufgabe nicht übernehmen, weil sie von einer Ordnung keine Vorstellung besitzen.

Nach dieser Aussage ist dem Mensch eine klare Aufgabe zugedacht, eine, die sich von jenen der Tiere (die einfachste Gentrasmitere sind, die breiteste Basis der Entwicklung) nur allzudeutlich abhebt: er soll den Göttern zur Hand gehen. In der Symbolsprache der Mythologie könnte das eine besondere Bedeutung haben. Etwa die, dass er dazu berufen ist, das göttliche Werk zu vollenden. So heisst es in einem Geburt-Ritus, die Götter haben beschlossen die Menschheit zu erschaffen “... damit sie die Last der Schöpfung trage.”. Und `Mythos vom Vieh und vom Getreide` heiligt den Menschen als eine planmässige und planvolle Konstruktion der Götter: “Damit er sich ihrer heiligen Herden annehme, erhielt der Mensch den Lebensatem.”.

`Enuma elish` spricht das gleiche Thema an und bestätigt es in der Szene, wo sich Marduk mit Ea über die Erschaffung des Menschen konsultiert: “Ich will erschaffen ein `Wesen`, den Menschen (...). Auf, dass ihm der Dienst der Götter zufalle, damit diese ruhen können.”... Und nach der vollendeten Erschaffung des Menschen ist auch die Aufgaben der Götter zu Ende: Marduk weist ihnen ihre Plätze im Himmel und auf der Erde an. Damit ist die Schöpfung, wenigstens was es der Götter angeht, endgültig vollendet. Ebenso war sie auch für Nichts in dem Augenblick vollendet, als es zum Etwas kam; ebenso war sie für die Biologie zu Ende, als diese den Geist erschuf – und ebenso wird sie für den (menschlichen) Geist beendet sein, wo sich die Kybernetik endgültig etabliert.

Eine Besonderheit der Mythologie in diesem Sinn hat Masdaismus zu bieten. In einer Perspektive, die sich nicht an die Vergangenheit, sondern an die Zukunft richtet und zum Ende der Zeit (! - das Ende der Zeit kann freilich nur den Beginn einer ewigen Dauer bedeuten – im Paradies gibt es keine Uhren, eben, weil Paradies zeit-los ist) blickt, steht Soschyant. Der ist eine eschatologische Gestalt, der vollkommene und gerechte Mensch schlechthin, als Erretter und Erlöser der Welt und ihr eigentlicher Daseinsgrund.

Und zu diesem Punkt strebt der Mensch offensichtlich.

 

 

 

 

 

DAS ENDE DER ANTHROPOZENTRIK

 

Die anthropozentrische Überbewertung des (Menschen)Lebens, lässt puritanischen Ernst und patriarchalische Strenge entstehen, die Welt wird düster und grausam. Reale Einschätzung des Seins - das auch in seinen tragischsten Formen viel zu belanglos (und nur dem ureigenen Ego wichtig) ist, um ernstgenommen zu werden - würde Heiterkeit und Helle und gewiss auch ein leichteres (leichteres im Sinn von unkompliziertes, angenehmeres) Leben bringen.

Natürlich war die Strenge des Patriarchats bis in die jüngste Geschichte eine sehr sinnvolle Sache. Solange der Mensch nach dem alttestamentarisch-biologischen Topos `Fressen, oder gefressen werden!` leben müsste, könnte man nur mit Strenge wenigstens die minimalsten Funktionen einer Gesellschaft garantieren, die diese schreckliche Disziplin brauchte, um sich alles anthropozentrisches, biologisches (= allzumenschliches) zu entledigen.

Nunmehr aber sind wir zweifelsfrei ans Ziel angekommen. Die Welt, die wir uns im Computer nach und nach zusammenbasteln, gehört zu keiner Biologie - sie ist rein einer elektrischen (= ideell-geistigen) Natur. Wollen wir nun diese Welt beherrschen, so muss eine Anpassung erfolgen.

Diese Anpassung wird nur dann erfolgreich, wenn wir uns an die Kybernetik anpassen. (Umgekehrt - das heisst die Kybernetik an den Menschen anpassen - geht es nicht: zwar ist die Biologie mit der Postbiologie kompatibel, nicht aber umgekehrt. Biologie kennt nämlich elektrische Funktionen, welche die Basis der Postbiologie bilden, nicht aber die Postbiologie die Funktionen der biologischen Natur.)

Und diese Anpassung, die wir, als rein biologische Wesen, an die Postbiologie vornehmen müssen, verlangt in der ersten Linie nach der Aufgabe der Anthropozentrik: erst wenn wir von unserer biologischen Position abrücken, werden wir logischerweise in die Transzendenz eintreten können.

 

 

 

 

 

DER WILDE EDLE

 

Rousseau benutzte den Begriff `der edle Wilde` um den Naturmenschen zu bezeichnen, doch war das im gegebenen Zusammenhängen ein Fehlbegriff. Die Menschen, die in einer primitiv-kommunalen Gemeinschaft leben (die Amazonaindios etwa, Kalaharibuschmänner, Pygmäen, Papuas usw.) ohne artifiziellen Errungenschaften, müssen so gut wie ihre ganze Zeit auf das reine Überleben aufwenden, sind darum keinesfalls fähig, eine höhere Kultur auszubilden, die als Basis und Trägerin des Edelseins notwendig ist. Und auch sind jene Menschen nur in einem zivilisatorischen Sinn als wild zu bezeichnen, weil ihre Kultur eben nur artifiziell, in bezug auf Technik, primitiv (= unterentwickelt) ist. An sich sind sie genauso wenig wild, wie die hochzivilisierten Menschen, weil sie ebenso wie jene fähig sind, die Regeln der Gemeinschaft zu befolgen. Und da jene Regeln mitnichten weniger rigide oder unbarmherzig sind als Code civil oder Code penal, so sind jene Wilden sogar um einiges `kultivierter` (= domestizierter/zivilisierter) als die Hochzivilisierten, weil ihre Unterordnung noch rein natürlich erfolgt und die Übertretungen sind selten oder nie zu beobachten.

Der Begriff wird jedoch grandios auf den kommenden Menschen passen. Auf der Basis des Uradels, der sich zwecks Unterschiedenes vom Volk drastisch von jeglichem Gemeinsein entfernen musste, entsteht nun ein neuer Edelmensch, der, im rein römischen Sinn von civitas, glatt und ohne Einschränkung als wild zu bezeichnen wird, da er sich gerade dadurch jeglicher Substitution, somit jeglichen Gemeinsinns entledigen wird.

 

 

 

 

 

DAS ERSTE WORT

 

Der Begriff cool ist das erste Wort des neuen Menschen, des Übermenschen – gerade wie das Wort `Feuer` das erste Wort des (Vor)Sapiens war.

Und das ist kein Zufall, dass die Amis diesen Begriff kreierten: durch ihre rauhe Geschichte hatten sie eben viele Gelegenheiten zu begreifen, dass man nur ohne Angst der Herr der Situation bleiben kann (= als höheres Wesen gelten darf). Und dieses Wissen, mit dem Begriff cool so anschaulich vermittelt, ist das eigentliche heilige Wissen der Gnosis, aller Geheimlehren (einschliesslich des Freimauertums) und jeder Idee des Edlen. Doch wurde diese Idee bisher nur verschlüsselt und äusserst umständlich vermittelt, hatte darum keinen echten Aufklärungswert. Selbst Nietzsche verfehlte knapp das Ziel, da er nirgends einen speziellen, sui generis Begriff für diese spezielle Art des Angstlosigeit benutzt. Erst den Söhnen von Way Earp, Dock Hollyday, Wild Bill Hichckock und Billy the Kid war es gegeben zu begreifen, dass man als Mensch nur denken muss, um keine Angst haben zu müssen/brauchen. Und denken kann man nur, wenn man cool den kühlen Kopf bewährt. Dann kann man bei einer Pokerpartie ebenso die Gedanken der Mitspieler `lesen`, wie die Absichten deines Gegenüber zu erraten, und eben um einen Bruchteil Sekunde den Colt schneller zu ziehen als er. Und diese Erkenntnis kam eben in all ihrer fruchtbaren Komplexität in diesen Begriff cool zum Vorschein.

(Besonders toll ist diese Notwendigkeit der Kaltblütigkeit im Edgar Allain Poe´s grandiosen Novelle `The Pit And The Pendulum` wiedergegeben. Da soll in den Verliessen der Inquisition zu Toledo ein Sünder durch eine besonders schreckliche, da extrem langwierige Todesart bestraft werden: ein Pendel, das sich langsam von der Decke zu ihm senkt, soll ihn sozusagen scheibchenweise zerfleischen. Doch der Sünder begreift, dass er nicht in Panik geraten darf, sondern möglichst absolut nüchtern nachdenken muss, um sich zu retten: einen Ausweg gibt es bekanntlich auch aus absolut ausweglosesten Lagen... In der Tat fällt ihn die Möglichkeit ein, und er ist gerettet.)

    man sollte stets cool wie ein schlittenhund sein.

    (schlittenhunde sind zweifelsohne die coolsten hunde, da sie ständig durch eis und schnee laufen müssen.)

Aber es war doch ein Europäer, der bewusst diese Notwendigkeit der Angstlosigkeit erkannte und formulierte: der Deutsche Politiker Rathenau. Er war der grosse Ausnahmepolitiker vom Kaliber eines Gorbatschows, der leider viel zu kurz wirken dürfte, da er bald von den Amigos abgemurkst wurde. Er stellte als absoluten Imperativ aller Politik, die Befreiung der Menschen von der Angst. Und eben darum wurde er umgebracht! – die hysterische Panikmache der heutigen Medien (der Volksschnautzen sozusagen), mit der das Volk blöd vor Angst gemacht wird, beweist diese Annahme: die Macht (=der Staat) lebt nämlich davon, dass die Massen Angst haben.

 

 

 

 

 

VON DER KUNST DES ÜBERMENSCHWERDUNG

 

Novalis: Mensch werden ist eine Kunst

Menschwerden ist keine Kunst, höchstens ein Kunststück der Natur: wir wurden auch ohne unseren Zutun als Menschen geboren, müssten so agieren, ob wir es besser wussten oder nicht. Es heisst nicht von ungefähr, dass man aus seiner Haut nicht ausbrechen kann und es ist auch der Spruch nihili humani a me alien puto bekannt, der das bestätigt.

Was Novalis aber meint, ist natürlich der bessere Mensch. Ein Mensch im besten Sinn der Idee der Humanität. Nur ist das absolut kein Mensch mehr, denn er muss sich logischerweise jener menschlichen Schwächen zu entledigen trachten, will er besserer (= höherer) Mensch sein; und das ist keine leichte oder einfache Kunst, sich gegen sich zu stellen und sich/seine menschlichen Schwächen zu besiegen, um etwas höheres zu werden, um sich zu erhöhen.

Dieser, höherer, Mensch ist im religiösen Sinn kein Mensch mehr. Denn der Sinn der Idee Mensch (so wie `Gott`/Natur ihn erschuf) war, die Sache vorwärts zu bringen, die Schöpfung zu verkünstlichen, also eindeutig nicht mehr im Auftrag Gottes zu wirken, sondern direkt gegen ihm – in jedem religiösen Sinn (also auch im christlichen oder mohamedanischen) ein höchst misslungenes Wesen.

Allerdings werden diese `Menschen` , schon rein um die Schöpfung verkünstlichen zu können, eben Über-Künstler werden müssen, das heisst aus jener Semigöttlichkeit der Menschenkünstler in den Zustand des reines Schöpfertums zu überwechseln.

Das wird in der Tat eine grosse Kunst sein!

 

Eine Über-Kunst.

 

 

 

 

 

VON NEUEN ÜBERLEBENSTECHNIKEN

 

Die fünfjährigen Amerikanerinnen, die kleinen Baby Beautie Queens, welche bei ihren Charme Pageant und sonstigen Schönheitswettbewerben mitmachen, wissen bereits, wie das Leben funktioniert und wie man Erfolg hat, jedenfalls sind nicht alle Äusserungen dieser Kleinkinder reine Dressur: in den Interviews fällt ihre rein praktische Reife auf. Und eben das meint, dass es für eine Avantgarde die höchste Zeit wäre, nach neuen Überlebensdynamismen zu suchen, da die alten eindeutig bereits von den Babys beherrscht werden, also nunmehr rein instinktiv funktionieren.

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Odysseus war wohl der erste Sapiens auf der praktischen Suche nach neuen Survivaltechniken. Zwar war Gilgamesh als Sucher noch vor Odysseus unterwegs, doch war seine Suche uneigennützig, da göttergefällig; Odysseus scheute aber nicht davor, zum eigenen Vorteil selbst die Götter zu Narren zu halten.

Damals, als Odysseus begann, sich mit List und Tücke über Götter und sonstige Feinde, Unbill der Existenz und schnöde Realitäten durchzusetzen, bedeuteten solche Tricks den endgültigen Bruch mit dem Instinkt des Tieres, das in jeder Situation eben das tut, was noch Gilgamesh tat, was ihm seine genetischen Vorgaben aufzwingen (in Hungersituation sucht es nach Nahrung, in Gefahrensituation rennt es weg, beziehungsweise verteidigt sich/sein Nachwuchs/seine Rudelgenossen usf.), womit es das Überleben durch eine elastische Anpassung an den Fluss der Bewegung absichert. Sicher ergibt auch solche natürliche Survivaltechnik manche Instrumente, die wie List und Trick anmuten (so etwa die Tarnung in einer harmlosen Umgebung, um die Beute oder den Jäger zu narren), die jedoch nur durch Zufall erfolgte Anpassung bedeuten, da sie nicht durch Beobachten, Analysieren und Folgern, also durch das Nachdenken, sondern durch günstige Zufallskonstellationen zustande kamen.

Odysseus rein willkürlich, gegen jeglichen Gendiktat, `gestrickten` Maschen der Gedanken, sind ja nunmehr keine natürlichen Äusserungen gewesen: sie bedeuteten rein künstliche Errungenschaften des Geistes, der somit begann, die direkte Erfahrung zu negieren, um sich selbst um den Preis grosser Gefahr auch in jenen Situationen durchzusetzen, welchen man `von Natur aus` (= physisch und anders genetisch) nicht gewachsen war (womit Odysseus endgültig zu erstem Amerikaner der Geschichte avanciert). Solche Novums bedeuteten also eindeutig Erleichterung der Existenz, zugleich aber, wegen des Bruches mit der Tradition, eine Unnatürlichkeit, das heisst auch eine Unvernünftigkeit. So bekommt Odysseus zu hören, er wäre zwar ein listiger, keinesfalls aber ein weiser Mann. Und das ist nicht zu bestreiten, da die wahre Weisheit auf den Erhalt der Harmonie der Sphären bedacht sei, und Tricks als Vorspieglungen falscher Tatsachen alles andere als (mit eben diesen Tatsachen) harmonisch sind.

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Im übrigen war Odysseus doch und ob ein weiser Mann! Als er nämlich von Calypso die Unsterblichkeit angeboten bekommt lehnt er diese Ehre ab, was seine Weisheit vorzüglich belegt. Er hatte sich da wohl ausgerechnet, dass er als ein Mensch seiner Zeit mit dem göttlichen Zustand der Unsterblichkeit schon aus Mangel an Autarkie überfordert wäre.

So war der Vorwurf an Odysseus nur eine antropomorphe Anmassung, die unterstellte, die menschliche Vernunft (= die Harmonie) wäre mit jener der Sphären identisch, was ein Irrtum ist - ein verzeihlicher allerdings, da der sapiale Mensch damals am Anfang seines Weges stand und es nicht besser wusste. Die menschliche Vernunft macht nur ein winziger Bruchteil der natürlichen aus, so war es für den Menschen und ob notwendig, nach höheren Harmonie zu suchen, und das könnte man erst, wenn man die alten Techniken zugunsten der neuen, höheren, aufgab – indem man zunächst sündigt und selbst die Heiligsten Gesetze bricht.

So lernte der Mensch nach und nach mit der Existenz umzugehen, indem er suchte, sich – anders als das Tier – auch in den absolut unvorteilhaften Situationen zu behaupten, indem er sie mit List und Tücke in eigenem Sinn manipuliert. Heute sind wir alle Odysseuse, alle listig und schlitzohrig und im Kunst der Täuschung blendend eingeübten Amerikaner. Darum ist es kein Wunder, dass man sich in List und Tücke und Manipulation zu überbieten sucht, so dass die Tricks immer niedriger, immer schäbiger, immer tierischer (da zum Instinkt versteinert) werden, womit der Gesellschaft ein echtes Problem entstanden ist, da auch der Geist unter dieser Praxis leidet und sich zum Instinkt des Tieres zurückentwickelt. Damit erweist sich der Weg des Menschen als immer disharmonischer, da seine technischen Errungenschaften eindeutig schon den höheren Sphären angehören und mit rein biologischen Instinkten nicht zu kontrollieren sind.

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 Da kann man sich nun fragen, was so ein kluger Mann wie Odysseus heute, angesichts der Notwendigkeit einer höheren Harmonie tun würde?

Damals hatte er `erkannt`, dass der Mensch nicht unbedingt die Dinge so nehmen darf, wie sie sind, sondern sein Schicksal selbst gegen den Willen der Götter allein bestimmen muss, und zwar (auch) durch schonungslose und rücksichtslose, also richtig machiavellistische Manipulation. Heute, wo durch die allgemeine Verbreitung die Manipulation als Durchsetzung immer ineffizienter wird, sollte man sie zugunsten der höheren Konstruktionen aufgeben. Da die alte Masche der Pragmatik in jeder Hinsicht und auf jedem Fall eine Gemeinsache war (sowohl in ihrer Ethik wie in ihrer Allgegenwärtigkeit), so würde Odysseus heute mit einiger Sicherheit einen Weg der individuellen Behauptung auserwählen, was heisst, er würde sowohl auf Hilfe seiner Weggenossen verzichten, wie er sich, auf der Schwelle der Transzendenz stehend, seine eigene Welt bauen wird – solch eine Konstruktion ist nämlich (ob wahr oder falsch, ist unwichtig) ein absolut unpragmatisches Ding, da in einer neuen Realität entstanden, wo selbst die Pragmatik nur als Spiel aufgefasst wird. Nun geht es ja um das Erfinden der Neuen Welten, keinesfalls also um irgendwelche Durchsetzung.

In der Transzendenz, im Schoss einer vollautomatisierten Natur, wäre das Gesetz des Dschungels auch unter Löwen & Hyänen nur lächerlich und verpönt.

 

 

 

 

 

ABSCHIED VON DER BIOLOGIE

 

Wie wird sich der Mensch von der Biologie trennen? Wie kann er seine biologischen Wurzeln kappen?

Auf dem ersten Blick erscheint so etwas ziemlich unmöglich, jedoch ist die Sache bereits so weit fortgeschritten, dass wir uns mitten in diesem aufregenden Prozess befinden. Die Konturen der Umwandlung sind bereits so verklärt, dass sie mühelos zu erkennen und zu beschreiben sind.

Zunächst 1x muss man klären, was die Biologie eigentlich ist. Zweifelsohne darf man sie als eine höher Stufe der Materie definieren; Biologie ist um Potenzen komplexer als die blosse Materie, was auch bedeutet, sie muss ihre Fortdauer auch wesentlich komplexer konstruieren, als das bei der Materie der Fall ist. Darum gibt es in der Biologie die Übertragung der Existenzerfahrungen mittels Gene: bestimmte Erfahrungen werden genetisch gespeichert, und an die Nachkommen weitergegeben, von welchen sie bereichert und weiterentwickelt werden.

Natürlich sichert auch der Mensch seine Fortdauer nach wie vor, und wie alle biologische Wesen mittels Zeugung und Genetik, jedoch mit einem Unterschied. Mit dem Aufkommen der Religion, Epik und Philosophie begann der Mensch bereits seine Erfahrungen mittels abstrakten Gedanken zu übertragen. Diese hatten keine eigentliche Bezüge zu der Welt mehr, entfernen sich aber eben darum von ihr – und von der biologischen Basis des Menschen. Denn eben dank der Abstraktierung der Welt fand sich der Mensch nun in der Lage, durch die Genetik sich des eigentlichen Gendiktats zu entledigen. Bald werden auch die Einkommen rein künstlich, aus dem Gensatz der `Eltern`, erstellt. Das wird dann auch der Augenblick, wo der Mensch seine Biowurzeln verliert. Ab da wird eine immer perfektere Medizintechnik das ihre tun, um das einst biologisches Wesen in eine Erscheinung der 3. Schöpfung zu verwandeln.

 

 

 

 

 

DREIFACHE ZEITLICHE BESTIMMUNG DES FREIGEISTES

 

            Den Gordischen Knoten der Zukunft, zerschneidet man mit dem Schwert der Gegenwart, geschärft am Wetzstein der Geschichte.

            (Beethoven)

Über den Übermenschen kann man in der Tat noch überhaupt nichts sagen. Bedenkt man es nämlich ganz genau, dann ist es sogar die Bestimmung eines Freigeistes (als Übergangswesen in Richtung Zukunft) ziemlich unmöglich. Denn mögen wir uns alle auch als Freigeister anschauen, dürfen wir sicher sein, bereits in vielleicht 10 Jahren werden unsere Vorstellungen von Freiheit ebenso antiquiert anmuten, wie uns heute die Freiheitsträumereien der Romantik erscheinen. Eigentlich können wir noch nicht wissen, was Freiheit überhaupt sein kann. Wir stecken noch allzutief im Korsett aus genetischen, edukativen und sozialen Vorgaben, um uns überhaupt eine kleine Vorstellung machen zu können, wie das ist, FREI zu atmen. Man darf cool behaupten, dass es erst den Generationen die jetzt, Anfang dieses Jahrtausend geboren werden, gegeben sein wird, erste wirklich freie Gedanken zu hegen und frei Äusserungen zu machen.

 

Allerdings lasse sich in einem Punkt das Wesen des Freigeistes doch so gut wie absolut fehlfrei bestimmen. Anhand der geistigen Erfahrungen kann man seine Position innerhalb der zeitlichen Dimensionen wie folgt festlegen:

 

In Bezug auf Vergangenheit ist er versiert oder wissend.

In Bezug auf Gegenwart ist er skeptisch/realistisch oder denkend (= prüfend).

In Bezug auf Zukunft ist er phantastisch oder träumend.

 

Was es der Vergangenheit angeht:

Kennt man die geschichtliche Zusammenhänge der Vergangenheit, hat man es leichter, die gegenwärtigen Zusammenhänge zu durchschauen. Man schärft sozusagen seinen Schwert, seine Gabe der intuitiven Gedanken, logischen Eingebungen, phantastischen Schlussfolgerungen...

Was es Gegenwart angeht:

... Womit man es leichter hat, die Gegenwart real anzugehen. Irgendwelche human-schwärmerische Vorstellungen von Ethos & Moral & Ehre & Redlichkeit & was weiss ich noch vom Gestrigen und Überkommenen zu hegen, heisst unweigerlich, der Sklave derselben zu bleiben – keine Freigeisterei, also.

(Aber das ist der absolute Kernpunkt der Betrachtungen Nietzsches.)

Was es Zukunft angeht:

Mit einer stoischen Haltung gewappnet (Stoizismus ist die Grundeigenschaft der Realität: es ist eben so, wie es ist, man muss es über sich bringen – also spricht der wahre Realist) hat man weder Angst, noch kennt man irgendwelche Grenzen in Bezug auf Zukunft. Die Vorgänge durchschauen, heisst, geistig zu genesen (- mag man dann den Massen auch noch so als Geisteskrank erscheinen), heisst Lebensfreude, heisst Trunkenheit durch gute Laune, und gute Trunkenheit (die durch Hallu-Drogen etwa) ist Traum.

Und Traum ist Zukunft, denn eine – zukünftige! - Welt jenseits aller Realitäten kann man logischerweise erst im Traum erschaffen.

 

 

 

 

 

DIE AUFGABE FÜR DEN HÖHEREN MENSCHEN

 

Der Idee von Materie, Raum und Zeit eine reale Dauer zu geben, somit die bizarre Schöpfung, die ist und nicht ist, von ihrer Sinnlosigkeit und Vergänglichkeit zu erlösen. Das ist die Aufgabe des Werdens. Intuitiv hatte der Mensch diese Aufgabe bereits in der Antike erfasst.

Was Nietzsche aber meinte: nun müssen wir es auch rationell kapieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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