Perpetuum mobile ist in der natürlichen Schöpfung absolut unmöglich, da gibt es keine Zweifel.

In der künstlichen Schöpfung aber, die also bereits auf einem Etwas bassiert, darum auf gar keinen Fall vergänglich ist (da sie in das Nichts nicht mehr zurückkehren KANN), wird die Ewige Bewegung ein – salopp gesagt - Abfallprodukt des Anfangsimpulses sein.

DIE EWIGKEIT ALS DER SCHÖPFUNGSSINN

Der flüchtige, vergängliche, sterbliche Hauch des Werdens ist genauso vergeblich und unhaltbar wie das Nichts, aus dem er entstand. Das Werden ist, wie das schon der Name sagt, nur eine Kette aus unzähligen Wiedergeburten, die zu keiner echten Existenz und keiner göttlichen (= unvergänglichen) Wirksamkeit, zur Allmacht, führen kann. Solange Etwas ins Nichts zurückkehren muss, wird die Bewegung zu keinem echten Ziel führen, das heisst zu keiner endgültigen Etablierung. Die einzige Möglichkeit, diesen Nichts-Werden-Nichts-(und-so-fort)-Zustand, diese `Realitätsanfälle` des Nichts, diese endlosen Serien von Versuchen, die nichts Ganzes und nichts Halbes sind, zu beenden, wäre ein Zustand des Seins zu erreichen. Und das meint: Etwas endgültig zu etablieren, die Welt ein für alle Male in eine unsterbliche, ewige Wirklichkeit zu verwandeln.

Die Antwort auf die Frage, die wie keine andere die Neugier des Menschen reizte (WARUM GIBT ES ÜBERHAUPT ETWAS?), ist überaus einfach:

Das Nichts ist offenbar nicht bestehungsfähig: es muss sich ewig in ein Etwas zu verwandeln suchen. Wäre das nicht so, so gäbe es bestimmt kein Etwas, sondern es bliebe immer nur das Nichts.

Das Etwas kann anderseits nicht bestehen bleiben, weil es nur auf der Basis des Nichts entsteht, also kein wirkliches Etwas ist, sondern nur ein Versuch und eine Illusion von Etwas.

Das ist dann auch die Antwort auf die Frage, warum es Tod und Vergänglichkeit gibt. Das Etwas hat sich noch nicht genug vom Nichts emanzipiert, darum muss es vergehen. Mit anderen Worten: das Etwas ist noch nicht weit genug entwickelt, weil ihm (um es ganz modern auszudrücken), das nötige Know-how fehlt, sich als Ewigkeit zu etablieren.

Die Periodik des bisherigen Ablaufs der Naturkreisläufe ist somit nur eine Art von qualvollem circulus vitiosus, das ohne eine endgültige Etablierung in einer Unsterblichkeit, in einen Zustand also, der sich nicht mehr ins Nichts zurück verwandeln kann, immer und ewig der Fall sein wird.

Das ist aber nicht gut möglich. Zu einem wäre die Schöpfung in diesem Fall ohne Sinn, was an sich verfehlt wäre, denn alles, was (auch periodisch) ist, hat automatisch auch einen Sinn (wenigstens während der Periode, wo es ist). Und es ist auch zu beobachten, dass alles existente diesen Sinn möglichst lange, am liebsten ewig beibehalten möchte.

Zudem scheint der Zustand nur eine Übergangslösung zu sein: es gibt viele Anzeichen dafür, dass sich das Werden selbst der quälenden Komponente des Ewigen Wiederkehrs zu entledigen sucht. (Manche dieser Mechanismen sind von Teilhard de Chardin in seinem wunderbaren Buch `Der Mensch in Kosmos` mit einer wahrhaft seherischen Klarheit aufgedeckt.) Die Bestrebungen der Natur (und darin speziell der Menschen als ihrer vergeistigten Äusserung), beständig etwas perfekteres über das Bisherige zu erschaffen, lassen den gemeinsamen Nenner aller dieser Anstrengungen erahnen: das sehnsuchtsvolle, hartnäckige Streben mutete als ein Griff nach der Ewigkeit; nach einer wahren Finalität, welche einzig all die Ungewissheit des ewigen Werdens zu beenden vermag.

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Die Ewigkeit ist bei jedem Wesen ein Teil seiner selbst. Eine bescheidenere Form dieser Grundsehnsucht ist im Überlebenskampf gegeben. Jedes Tier, das sich seinen Feinden zu entziehen sucht, bezweckt damit ein möglichst langes Leben, eine grösstmögliche Annäherung an die Ewigkeit.

Je höher das Bewusstsein, um so deutlicher dieses Streben.

Darum darf man den Pflanzen eine weitaus niedrigere Bewusstseinstufe zubilligen als den Tieren, denn sie verhalten sich im Überlebenskampf grundsätzlich passiver, was bedeutet, dass ihre Sehnsucht nach der Ewigkeit weniger stark ausgeprägt ist.

(Obwohl sie natürlich, dank ihrem biblischen Artenalter, wesentlich besseres Know-how haben als der Mensch – manche Bäume können cool einige Jahrtausende alt werden.)

Bei dem Mensch ist das Streben infolge des Bewusstseins am stärksten. Der Wunsch nach Berühmtwerden etwa ist im menschlichen Selbstverständnis fest verankert. Und das ist auch eine Form der Suche nach der Ewigkeit: wer berühmt wird, bleibt quasi unsterblich, sozusagen ewig.

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Das heisst weiter:

Gerade der Mensch, der sich seiner Lage innerhalb des Werdens am deutlichsten bewusst ist, leidet besonders schwer unter der Vergänglichkeit der Welt. Das ist nicht nur im Sinn des Sterbens gemeint, sondern der Vergänglichkeit (des Glückes, der Behaglichkeit) überhaupt. Das Leben ist Bewegung, und die tut weh. Doch nicht aus dem Grund der Bewegung selbst, das heisst wegen der Minderung der primären und sekundären EnergieK - man kennt durchaus die Augenblicke, wo die Bewegung derart harmonisch wird, dass sie sich in eine paradiesische Glückseligkeit verwandelt. Die Bewegung an sich tut also nicht weh; quälend ist nur die Erkenntnis, das früher oder später alles zu Ende ist, dass sich selbst die schönste Harmonie in Dissonanz und Horror verwandeln muss.

Diese, sozusagen `infame`, Erkenntnis macht die Existenz zur Qual, manchmal so stark, dass man die endgültige Vergänglichkeit, den Tod (der eigentlich `das schlimmste` an der Existenz ist, weil eben endgültig) als Ausweg, als Befreiung von der Ungewissheit, geradezu herbeisehnt. Buddhismus etwa (so wie ich ihn sehe) ist die religiöse Abart dieses Sehens: durch die Askese der vergeblichen, nutzlosen Vergänglichkeit des Lebens zu entrinnen, und den Zustand des Nirwana zu erreichen, ein für alle Male mit der - irrig angenommenen - Ewigkeit des Nichts zu verschmelzen. Irrig angenommen, weil das Nichts nur nichts sein kann, also auch nicht ewig.

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Askese ist nicht in der Natur der Natur geraten, denn sie widerspricht klar der Omnipotenz der Bewegung. Eine asketische Natur würde klar die Impotenz der Lenden Amuns bedeuten.

Das heisst: Askese geht nicht in Ewigkeit auf, da die Askese minimiert, und Ewigkeit schlicht und einfach alles bedeutet.

Nirwana ist jedenfalls nur für bewusstlose Tiere gut, aber der denkbar falsche Weg für den Menschen, der da ist, nicht um das Nichts, sondern um ALLES kennenzulernen.

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So irrt man hier, und zwar sowohl im Ziel, wie in der Terminologie. Nirwana bedeutet Harmonie an sich, das heisst, sowohl die Ewigkeit wie auch das absolute Nichts in einem. Der Begriff ist somit sich selbst in seinem eigenen Sinn kontradiktiv: das Nichts kann überhaupt nicht bestehen, am allerwenigsten ewig. Das Nichts ist nämlich eine Disharmonie ohnegleichen, sonst hätte es keine solche Schwierigkeiten mit sich selbst und hätte keine Veranlagung, Etwas aus sich zu machen. Eben diese sehnsuchtsvolle Anstrengung bedeutet nämlich die Disharmonie, um die es geht.

Die wahre Harmonie ist demzufolge wohl nur auf einem einzigen Weg zu erreichen: durch das Erlangen einer finalen Gewissheit, durch das Erlangen von ALLEMK. Ein Mensch etwa, der einen erfolgreichen – aber unbedingt absolut redlichen!K - Lebensweg hinter sich hat, der sich durch seine Anstrengungen `etwas erschaffen` hatte, geratene Nachkommen und sonstige Sicherheit als Lebensgrundlage besitzt, zudem keinen Grund hat, an irgendwelchen Gewissensbissen und sonstigen Phantomen der kranken Seele zu leiden, der, alles in allem, einen finalen Zustand des Menschseins erreicht, kann wenigstens in diesen kurzen Augenblicken jene Zufriedenheit der Existenz erreichen, die weitab vom weiteren Streben, unempfindlich für weitere Sehnsucht, angesiedelt ist. So ein Mensch hat eben ein Sein-Zustand erreicht, eine endlose Harmonie, die ihm selbst das Sterben süss und angenehmer macht. Und diese Harmonie ist nichts anderes, als eine Ahnung von Ewigkeit. Von einem Zustand also, der keine Rückkehr ins Nichts mehr kennt, weil er eben so harmonisch (mit sich selbst) ist, dass er kein Verlangen nach dem Ändern dieses Zustandes spürt (wie das bei dem Nichts der Fall ist/sein muss).

Das will besagen: die Schöpfungsbewegung hatte zwar das Etwas installiert, doch ist diese Realität flüchtig und unbeständig, ihr liegt ja auch nur ein Nichts zugrunde. Sie ist somit keiner dauerhaften Existenz fähig. Erst als es diesem Etwas gelingt, eine Ewigkeit als eine höher angesiedelten unanzweifelbare, somit auch unvergängliche Wirklichkeit zu installieren, wird die Schöpfung des Werdens ihren Sinn bekommen und zu einer wirklichen Sein-Schöpfung transzendieren. Zu einer künstlichen Natur, die auf Etwas basiert, darum allein aus sich selbst ewig zu existieren vermag.

Eine Schöpfung im Sinn eines idealen Gottes.

 

 

 

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