horrorvideo oder der moderne zeitgeist

früher hiess es `zuckerbrot und peitsche`; heute heisst es `sozialhilfe und steven king.

die zeitgeistige lebensqualität

früher hiess es `panem et circenses`; heute heisst es `hamburger and tv`.

typisch zeitgeist

erster mai. in italien begegnet man den `tag der arbeitslosigkeit`.

DER GEIST AM ENDE

(DER ZEIT)

Doktor Van Helsing, halten Sie es für möglich, dass wir alle verrücktgeworden sind, und eines Morgens in den Zwangsjacken aufwachen werden?

(Aus Werner Herzogs `Nosferatu - Die Symphonie des Grauens`)

Der wunderliche Zeitgeist

Unsere Zeit? Die kann man nicht einmal besonders tragisch finden. Sie ist mehr von einer lächerlichen Natur. Alle denken das eine, reden das andere und tun etwas ganz drittes.

Dann wundert man sich kollektiv, dass die Karre - trotzdem, wie? - abwärts läuft.

 

 

 

 

 

Zeitgeist als reine Unwahrheit

Regierungen fälschen Statistiken um Macht zu behalten, Wissenschaftler fälschen die Resultate ihrer Experimente, um Ruhm zu erlangen, Forscher erzählen Unwahrheiten über den Zustand der Umwelt, um an die Forschungsgelder zu kommen, Sportler dopen sich, um neue Rekorde aufstellen zu können...

Bei uns bewegt sich schon längst nichts mehr ohne einer guten Portion Zeitgeist.

 

 

 

 

 

Der unreife Zeitgeist

Wir wollen nicht schwärmerisch sein: alte gute Zeit gab es genauso wenig, wie es neue schlechte Zeit gibt. Mit der Zeit ist es gerade wie mit dem Menschen: jede Zeit hat ihr Gutes und hat ihr Schlechtes - auch im Frieden gibt es viel Arges und nicht weniger hat der Krieg seine Idyllen. Das einzige, was man der modernen Zeit vorwerfen kann/darf/muss, ist die Krankheit, an der jede Zeit leidet: die Unwilligkeit (Unfähigkeit?), aus der Vergangenheit (Fehlern!) zu lernen.

In der Konsequenz heisst das: der Mensch (der ja der Herr über die eigene Zeit sein sollte) ist trotz aller fabelhaften Segnungen der Demokratie und sonstigen Tollheiten der Postmoderne heute genauso unreif, wie er im Mittelalter oder auch noch in der Antike war. Denn nach dem allgemeinen Verständnis der Reife vermag ein reifer Mensch aus eigenen Fehlern zu lernen.

 

 

 

 

 

Der bequeme Zeitgeist und sein Preis

Man darf freilich nicht behaupten, dass es früher besser war als heute - damit würde man sich zum Lügner machen. Doch genauso macht man sich zum Lügner, wenn man behauptet, heute ist es besser als es früher war. Sicher haben wir heute Annehmlichkeiten der Zivilisation, von welchen man früher nicht einmal träumte, unsere Leben sind behaglich und kuschelig geworden, mancher Menschen sogar übersatt ja eindeutig luxuriös und eine einzige Prasserei und Völlerei und Hurerei. Doch den Komfort und sybaritischen Luxus mussten wir mit dem Zerfall der Sozietät bezahlen, mit der Ausrottung der geistigen Freiheit, mit brutaler Gleichschaltung der Menschheit und globalen Totalisierung der Politik/des Staates...

 

 

 

 

 

Freiheit als Zeitgeist

Unsere Freiheit, durch all die Unmassen an Ausnahmen (= Gesetzen) eingeschränkt, ist nur eine rhetorische, eine konsumentative Freiheit. Sie beschränkt sich in der Tat auf den Sinn der Werbebotschaft:

          Haben Sie Mut zur Freiheit!

          Wählen Sie nicht einfach Hamburger!

          Verlangen Sie nach Big Ham!

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Und nicht einmal die Freiheit des Konsums ist eine richtige Freiheit! - auch sie ist an sich eine schöne Lüge. Man darf sich zwar nach belieben für dieses oder jenes entscheiden, der springende Punkt indes bleibt die Realisation des Wunsches. Kann man sich die gewünschte `Freiheit` rein materiell nicht leisten, so ist man auch auf diesem Gebiet mitnichten frei.

 

 

 

 

 

Zeit-Geist-Losigkeit

Am Ende des 20./Anfang des 21. Jahrhunderts ist die Gesellschaft vorwiegend damit beschäftigt, mannigfaltige Missstände zu beheben, die sich infolge gesellschaftlicher Entwicklung ergeben. Diese Missstände sind in ihrer Gesamtheit unübersehbar, sie sind Unzahl, ausser technologischen und merkantilen Fortschritt gibt es nicht ein Gebiet der menschlichen Existenz, der sich in keiner schweren Krise befinden würde. Wir kennen sie alle, es genügt nur einige von ihnen beim Namen zu nennen: Arbeits-, Zukunfts-, Perspektiv- und sonstige -losigkeiten. Dazu kommt noch die drastische Polarisation der Gesellschaft in Reich und Arm, dazu der Verfall der Sitten, dazu die Unfähigkeit der Politik, die Weiterentwicklung unter Kontrolle zu behalten, Mangel an Aufklärung und daraus resultierende Verdummung des Volkes, und, und, und... Sparen wir uns weitere Aufzählung.

 

 

 

 

 

Zeitgeist als Grausamkeit

Kein Wort wird so strapaziert wie die Liebe, hiess es in einer Fernsehsendung. Irrtum. Das meiststrapazierte Wort der Gegenwart ist das Wort `Menschlichkeit`. Das Wort wird jedenfalls dermassen willkürlich benutzt, dass es sich geradezu in sein Gegenteil verwandelt hatte, und jedesmal, wenn sich jemand wieder anschickt, von der Menschlichkeit zu palavern, müsste man sich, sozusagen humanerweise, wegen solcher schamlosen Brutalität entsetzen.

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Hierbei noch etwas zeitgeistiges in Bezug aufs Wort. Am Ausgang des Milleniums wurde im ZDF behauptet, das häufigst gesagte Wort des letzten Jahrhunderts war ”Ich liebe dich!” – in welcher Sprache auch immer. Man darf aber wetten, dass das nicht stimmt! Das häufigst benutzte Wort des 20. Jahrhunderts war mit Sicherheit ”Shit!” – in welcher Sprache auch immer!

 

 

 

 

 

Die zeitgeistige Grausamkeit in der Werbung

SAT.1 wirbt für `Kommissar Rex` mit: Kommissar Rex schnappt alle Schweinehunde!...

Ja. Diese unsere Zeit. So schrecklich human und brutal tolerant... Manchmal sehnt man sich echt danach, in einer weniger menschlichen Zeit zu leben.

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Hier fällt vielleicht die Antwort auf die Frage leicht, warum sind wir Menschen dermassen borniert und verrannt? Mag sein, dass wir so steinzeitlich stur verbissen sind, weil wir in jeder Situation nur noch aufgehetzt werden. Für diese Hetze werden wir von Geburt an (durch familiäre Erziehung, Kindergarten und Schule) sensibilisiert, und anschliessend das ganze Leben lang von SAT.1, Spiegel(-TV) und präpotenten Zack-zack-Reportern auf dem Trab gehalten. Und was hier als Antrieb der Intoleranz so gut funktioniert, ist die (wie gesagt bereits in Familie, Kindergarten, Schule antrainierte) Autoritätssucht des unaufgeklärten (= unselbständigen) Menschen, der ohne Vorgaben nicht überlebensfähig ist. Diese Sucht, diese Unselbständigkeit vielmehr, haben wir mit der Revolution nicht abgeschafft, und das nutzt unsere Obrigkeit aus, um uns restlos zu regieren.

 

 

 

 

 

Der makabre Zeitgeist

Da gab es mal diese Nachricht, einer Anzahl der Frauen wurden aufgrund der Fehldiagnosen die Brüste amputiert. Als die Geschichte bekannt wurde, fragte man sich natürlich, wie so etwas überhaupt geschehen konnte. Immerhin ist so eine Amputation ein gravierender Eingriff in die Grundpersönlichkeit einer Frau, der eine äusserst gewissenhafte Überprüfung der Sachverhalte voraussetzen sollte, die jeden Fehler nach menschlichen Ermessen ausschliessen musste. In diesem Fall, da es um einige Zigfälle handelt, liess man es eindeutig an der nötigen Sorgfalt vermissen. Wie könnte also so etwas schreckliches geschehen - unseren Ärzten kann man im Allgemeinen keine Gewissenlosigkeit unterstellen.

Ärzten sicher nicht, aber dem System. Das ist knallhart auf den Erfolg, also letztendlich auf rücksichtslose Geldmache ausgerichtet, was bedeutet, dass der Primwert der Gesellschaft keinesfalls die Humanität ist, sondern eben die Geldmache, so ist es kein Wunder, dass man auch die Sorge um den Menschen dem Primwert unterstellt. Nicht, dass der Diagnostiker tatsächlich ans Geld denken musste. Es genügte, dass er auf den Erfolg konditioniert war, alles andere ging dann schon automatisch.

Und im übrigen ist es bei allen medizinischen Leistungen so: da wird es offensichtlich mehr Gutes als nottut getan, denn je mehr man tut, um so erfolg-reicher wird man. Kein Wunder also, dass jede kleine Erkältung im Augen des fürsorglichen Arztes (der sich zudem noch seiner Verantwortung für den Patienten bewusst ist!) zu einer lebensbedrohenden Pneumonie wird.

 

 

 

 

 

Zeitgeist als Heuchelei

Hetze und Humanität schliessen sich gegenseitig aus. So entlarvt sich die moderne Gesellschaft als brachialisch inhuman, denn bei uns wird praktisch gegen jeden und alles nur noch gehetzt: Drogen, Kinderschänder, Rechte, Linke, Kapitalisten, Polizei, Soldaten, Feuerwehr, Autos, Strassen, Müll, Kampfhunde, AKWs, Frauen, Männer, Asoziale (und ihre Kinder), Mafia, Asylanten (und ihre Kinder), Fremde, Saddam, Fundamentalisten...

Nur die Politiker, Medien und die U$A sind von der Hetze ausgenommen: die Heiligen, die Scharen von Posaunenengel und ihr promisses land.

 

 

 

 

 

Der hysterische Zeitgeist

Man klagt über zu viel Mobbing in der Gesellschaft. Wieso aber? Mobbing ist ein Hauptinstrument der demokratischen Durchsetzung. Unsere Politiker und Medien tun ja nichts anders, als gegen das Volk zu mobben und zu pöbeln.

Es ist also nicht einzusehen, warum das Volk nicht unter sich mobben sollte (- wenn es schon nicht gegen die Obrigkeit mobben darf!).

 

 

 

 

 

Der gewissenlose Zeitgeist

Wir sollen das Gewissen auch offiziell aufgeben.

Die Tatsache ist: wir sind eine erfolgsorientierte Gesellschaft, und als solche können wir uns weder aus politischen noch aus wirtschaftlichen noch aus reinen sozialen und erst recht aus keinen moralischen Gründen ein Gewissen leisten - das Gewissen steht nämlich jedem Erfolg ziemlich sperrig im Weg.

 

 

 

 

 

Der optimistische (= irrige) Zeitgeist

So, meine Freunde! Jetzt müssen wir uns

aber beeilen. Denn, wie Gorbatschow das sagt,

wer zu spät kommt, wird als Osterhase empfangen.

(Weihnachtsmann zu seinen Rentieren)

`Es gibt kein Zweifel, dass die Vernunft schliesslich siegen wird; die bange Frage ist, ob das noch rechtzeitig geschehen wird.` behauptete Konrad Lorenz. Das ist vielleicht eine geschickte und glatte und glänzende Formulierung, bestimmt aber eine miserable Denkleistung. Die Feststellung ist absolut falsch. Siegt die Vernunft nämlich nicht rechtzeitig, so wird sie garantiert verlieren.

 

 

 

 

 

Zeitgeistige Beschäftigung

Nachrichten: überall Demonstrationen. Das Volk auf den Strassen. Unübersehbare Massen... Das ist aber kein Wunder. Man ist arbeitslos, man hat Zeit, also geht man auf die Strasse und demonstriert halt ein bisschen. Rein wegen Zeitvertreibs, sozusagen.

 

 

 

 

 

Der allgemeine Zeitgeist

Die Zeiten haben sich eindeutig verschlechtert: früher sind nur die Cäsaren richtige Schauspieler gewesen; heute besteht die ganze Menschheit aus Komparsen für eine schäbige, fadenscheinige und kitschige, aber äusserst trickreiche, Hollywood-Produktion.

 

 

 

 

 

Zeitgeistiges Pech

In der Sortieranlage einer Müllverwertung wurde die Leiche eines Neugeborenen gefunden.

Da ist jemanden, wohl der Mutter des Unglückswurmes, ein übler und äusserst peinlicher Fehler unterlaufen. Der kleine Kadaver sollte bestimmt mit dem gewöhnlichen Haushaltsmüll entsorgt werden, der ja verbrannt wird - nicht zufällig werden die Müllverbrennungsanlagen von den Menschen mit sarkastischen Zungen nur noch `Bastarden-Krematoriume` genannt. (Wie z.B. in Italien. Dort rechnete man offiziell mit etwa fünfzehn bis zwanzig Neugeborenen, die pro Monat auf diesem Weg umgehend nach der Geburt zurück in den Asche-Zustand versetzt werden.)

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Ein Nachtrag im Sinn des umweltschützenden Zeitgeistes:

Da hatte man das tote Baby offensichtlich in den falschen Müllcontainer abgelegt, und das zeigt wieder einmal, wie unaufgeklärt die Menschen heute noch in puncto Mülltrennung sind. Sollten die Volkshochschulen doch nicht Kurse anbieten, die unter dem Titel `Wie sortiere ich meinen Dreck richtig` laufen könnten.

 

 

 

 

 

Der selbstmörderische Zeitgeist

Wie es heisst begehen tagtäglich drei bis vier Menschen Selbstmord, indem sie sich vor irgendeinen Zug hinwerfen.

Da kann man die armen Lokführer beinahe schon als Amateurhenker bezeichnen!

 

 

 

 

 

Cassandra talk oder der explosive Zeitgeist

Die Zeiten, die uns bevorstehen, werden knüppelhart; es ist zu erwarten, dass nur die Menschen eine Zukunft haben, die es schaffen, über den eigenen Schatten zu springen. Für diese Pflichtübung aber wäre es fair, würden wir alle gleiche Startvoraussetzungen haben. Durch die Aufklärung, sowie wenigstens im Ansatz gerechtere Verteilung der Güter.

Und eben das hat uns die Demokratie nicht gebracht, obwohl das ihr Selbstverständnis war - und ihre primäre Daseinsberechtigung. Sie hat nicht nur die Früchte der vorrevolutionären Aufklärung zunichte gemacht, sondern die Macht weiter mystifiziert und geheiligt, indem diese als die mystische Macht des Volkes dargestellt wurde. Und was es der gerechteren Verteilung angeht, die als ein von den heiligsten Postulaten der Revolution galt, da ist die Sache noch desolater: heute ist nicht nur die Diskrepanz zwischen Arm und Reich gross wie nie, heute gibt es ebenfalls - nicht nur summarisch, sondern auch prozentuell - mehr Armen als je in der Humangeschichte, und das ist der Zündstoff, aus dem die Endzeit gemacht wird.

 

 

 

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