Raucht Haschisch - lernt denken!

Grafitti gesehen in Stuttgart 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

DROGEN & DENKEN

TRAIN-SPOTTING ALS MENTALE ÜBUNG ZUR EWIGKEIT

Das ist eine extreme, exorbitante Eigenschaft der Drogen, sich mit jeden Monotonie zu beschäftigen. Der nüchterne Geist hat einfach keinen Sinn für solche fast unmerklichen Eskapaden der (Un)Realität. (Un)Realität, wie eben solche, vom nüchternen Geist unbemerkte, nicht einmal als Ahnung realisierten Begebenheiten (un)real sind; die diffizile Grenzfälle zwischen der Realität und Transzendenz, die ersten Gefühle einer zukünftigen Ewigkeit...

 

Die Ewigkeit kann nur als ein Grenzfall zwischen dem Realen und Unvorstellbaren existieren, d.h. sie ist von keinem gewöhnlichen (= normalen; was das auch immer sein soll) Geist zu ertragen. Erst der feinere (= feiner differenzierende) Geist kann sich an so eine ewige Angelegenheit annähern

DIE ERKENNTNIS VOM BAUM

(Überlegungen zur Geschichte der Zerebralisation)

 

Was an der biblischen Interpretation der ersten gnostischen Erfahrung auffällt, ist die interessante Tatsache, dass das Erlangen des Bewusstseins (als der Sündenfall) auch mit der Entstehung der Erotik in Verbindung gebracht wird: nach dem Genuss der Droge verwandelt sich Eva in ein Sexualobjekt, womit sie Adam zur Sünde verführt. Man hatte es auch mit dem Lachen, oder auch mit Weinen, in Verbindung bringen können: Lachen und Weinen, Sexus und Gnosis sind durch ihre Abstammung untrennbar verbunden. Die bewussteren Benutzer der halluzinogenen Drogen kennen den Effekt, das sich beim Genuss der Droge anstellt: Steigerung der mentalen Fähigkeiten, Stimulierung der Libido und Heiterkeits- beziehungsweise Emotionsausbrüche. So ist es kaum verwunderlich, dass das einzige vernünftige Tier zugleich auch das einzige ist, das ewige Paarungsbereitschaft an den Tag legt und als einziges lachen beziehungsweise weinen kann. (Eben mit dem Lachen übrigens wurde der Mensch zum Aussenseiter der Fauna: übrige Tiere verstehen das Zeigen der Zähne als Bedrohung, einzig der Mensch benutzt es als ein Ausdruck der Freundlichkeit.) Und da es hier (vom Denken selbst abgesehen) um ganze drei potenzierenden Eigenschaften geht, die den Menschen von der übrigen Fauna trennen, und da sie alle drei in den Halluzinogenen zu finden sind, so kann es eigentlich keinen Zweifel mehr geben, wo die `Quellen des Nils`, der Ursprung des Hohen Geistes und die Wurzeln Gottes liegen.

(Und das ist sehr entlarvend, dass die Gesellschaft der Gleichen die Drogen dermassen besessen und mit brutaler Konsequenz verfolgt, vor allem die Halluzinogene: Drogen verleihen wie gesagt potenzierende Eigenschaften und sind erbitterte Feinde jeglicher Nivellierung.)

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Die Geschichte von der Vertreibung aus dem Paradies lasse sich also auch anders erzählen als sie bei Moses steht:

Als Gott sie aus dem Paradies hinauswarf lachten sich Adam und Eva zuerst einen ab, schoben anschliessend eine wüst-genüssliche Nummer (um wie nebenbei mit dem Nachwuchs zu beginnen) und spuckten sodann in die Hände. Na warte, du alter Gauner! dachten sie sich dabei: dir werden wir es noch zeigen, denn nun kennen wir dein Geheimnis! Da sie dann zunächst heulen müssten, machte nicht viel zur Sache – sie waren sehr, sehr zuversichtlich.

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In dieser Hinsicht ist die besondere Behandlung interessant, die so gut wie ausnahmslos alle Kulturen den Drogen, dieser oder jener Droge eigentlich, angedeihen lassen. Die Drogen werden ritualisiert, nicht selten auf das Piedestal des Heiligen erhoben - wie, zum Beispiel, der Wein im christlichen Abendmahl. Wie Sloterdijk das bemerkt wird “... zwischen dem berauschenden Göttertrank und dem Göttlichen selbst kein Unterschied gemacht...” Den Umgang mit Drogen regeln heilige Bücher und Bräuche, wie das schon bei den sakralen Sachen der Fall ist; sie werden als Initiationssubstanzen der höheren Formen des Menschseins benutzt: so erfolgen die Initiationsriten der sibirischen Shamanen mit Amanita muscaria und auch die Reiferitualen einer jeden Kultur werden durch gemeinsamen Drogenkonsum betont. Das könnte kaum ein Zufall sein, eher darf man da auf ursächliche Zusammenhänge auf die mystische Erinnerung an die Rolle schliessen, die von den Drogen bei dem Erlangen des Bewusstseins gespielt haben.

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Die Anfänge dieser Initiierung müssen extrem weit in der geschichtlichen Ferne liegen, wohl noch in der Zeit, als sich von dem, inzwischen schon sehr grossen, Stamm der Säugetiere die Art abzweigte, die zu dem Menschen führen sollte, nach Teilhard de Chardin Rechnung also bereits gegen Ende Eozäns. Irgendein Rudel dieser Tiere, die durch ihre spezifische Lebensumstände – irgendwie - prädisponiert waren, ungewöhnliche Überlebensleistungen zu vollbringen, entdeckte bei der Futtersuche den wilden Wein. Wie aus Überlieferungen bekannt schmeckte der geradezu scheusslich, so dass er wohl von den Tieren gemieden wurde, mag also sein, dass sich jener Rudel durch widerliche Umstände gezwungen, wiederholt von den Beeren ernähren musste. Nach wenigen überlieferten Informationen wies der wilde Wein eine starke halluzinogene Wirkung auf. Es mag sogar sein, dass Noah-Wein die Wirkstoffe des Cannabis, Tabaks und der Coca beinhaltete. Jedenfalls könnte man sowohl bei der ägyptischen Mumien Coca- und Tabakwirkstoffe nachweisen, wie bei südamerikanischen Mumien Wirkstoffe des Cannabis, obwohl Cannabis in präkolumbianischen Amerika ebenso wenig bekannt war, wie Coca und Tabak in altem Ägypten. Zudem fand man im Papyrus Ebers hinweise auf eine unbekannte Droge. Und das könnte bedeuten: die unbekannte Droge war eben Noah-Wein, der in sich die Wirkstoffe vieler anderer berauschenden Pflanzen beinhaltete. So ist es zu vermuten, dass er bereits nach einer kurzen Zeit jenen Tieren ungewöhnliche, sinnenpotenzierende Eigenschaften verlieh, machte sie zugleich extrem abhängig, so dass die armen Tiere bald gezwungen waren, die Beeren zu essen. Auch wenn sie nach dem übermässigen Genuss der Pflanze richtig `blöd` wurden (blöd im Sinn des Verhaltensrepertoires jener Tiere), hielten sie nicht mehr von ihr ab.

Eigentlich wurden solche kausale Zusammenhänge zwischen den beiden Erscheinungen überhaupt nicht hergestellt: das Gehirn des Tieres war infolge seiner Einfachheit keinesfalls fähig, in kausalen Kategorien zu denken. Ein analoges Denken war ihm noch genauso fremd wie allen Tieren. Das bisschen `Denken`, das die magere Gehirnsubstanz ermöglichte, verdiente kaum diesen Namen. Es war auch nur rein instinktives, vom Stammhirn gesteuertes Programm der Futtersuche, Brutpflege, Rangbestimmung, Partnerwerbung und Rettung. Weiter nichts.

Doch eben auf dieses, durch irgendwelche besondere Lebensumstände etwas besser als durchschnittlich entwickeltes, Hirn wirken die Stoffe der Pflanze ein: wie Schlüssel passten ihre Moleküle in die bestimmten Schlösser jener einigen Hundertmillionen Gehirnzellen. Ihre Impulse steigerten den motorischen Informationstausch zwischen den Zellen, indem sie rein mechanisch (= chemisch) die Produktion von Neurotransmitern anregten. Je reger diese Tätigkeit, um so potenter wurde das System; um den gesteigerten Informationsfluss zu bewältigen musste es mehr Zellen bilden. Das heisst, dass sich die gesteigerte Hirntätigkeit auch auf seine Weiterentwicklung auswirkte; um die anfallende Arbeit effizienter zu erledigen musste das Hirn auch die Teilung seiner Zellen `effektiver Organisieren`. Die Vermehrung der Zellen steigerte wiederum die Menge der verarbeitenden Information, was nun nach noch mehr Zellen verlangte - die Droge reizte das System unentwegt zur Arbeit, und was arbeitet, das entwickelt sich, das ist mit allen organischen Substanzen so: Training macht den Meister. Wie das schon die Grundtendenz der Natur ist: zwei Komponenten peitschten sich gegenseitig zu einem Exponent auf und dann ist eine grossartige Wucherung des Systems Folge solcher gegenseitiger Antreibung. Und die Folge dieser Folge war, dass es im Hirn sehr bald so rege zuging, dass diesem Wesen, das schon kein Tier mehr war, sondern ein Zwitter einer vollkommen neuen Art, diese Tätigkeit allmählich bewusst wurde: es wurde sich seines Denkens bewusst, das heisst sich selbst in bezug auf die Umwelt.

Dieses Bewusstsein ermöglichte anschliessend eine rein abstrakte (= auf Wortsymbolen aufgebaute) Kommunikation, die dann ihrerseits das Fortschreiten der Zerebralisation begünstigte. Der unmittelbare Erfahrungsaustausch bescherte dem neuen Wesen nämlich noch mehr Wissen, das es noch effektiver, mit noch mehr Zellen, zu verarbeiten galt.

Rein technisch lief die Entwicklung der Kommunikation so ab, dass sich die rege Tätigkeit des Hirns in den Versuchen äussern müsste, diese Prozesse zu bestätigen, verifizieren, sie `nach Aussen`, an die Artgenossen, zu transponieren. Dumm war allerdings die Tatsache, dass es da noch keine Sprache geben könnte: der Kehlkopf und das gesamte Sprachkomplex sind noch nicht auf eine Sprache ausgelegt gewesen; die paar Lauten, die das Tier äusserte, sind, wie bei allen Tieren, nur ein `Nebenprodukt` des Atmungs-/Ernährungstraktes gewesen.

Doch die ständigen Versuche veränderten den Aufbau des Kehlkopfes, womit es möglich würde zunehmend komplizierte Lautkombinationen zu äussern, was wiederum die Tätigkeit des Hirnes beschleunigte, was wiederum nach noch mehr Kommunikation verlangte...

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Selbstverständlich lief die Geschichte der Zerebralisation nicht so glatt ab, wie sie hier dargestellt wird, was schon jene Masse an angefangenen und abgebrochenen Ästen auf dem phylogenetischen Stammbaum der Primaten bezeugt. Es wird wohl so sein, dass sich ursprünglich nur eine kleine Gruppe des bewussten Tieres mit der Droge abgab, was sie extrem erfolgreich machte, meint, ihr neue Überlebenschancen einräumte und eine überreiche Fortpflanzung bescherte, was einige Mittglieder der Stammsippe zum Abwandern veranlasste. In einer neuen Umgebung fanden diese neue Lebensbedingungen, was auch neue Essgewohnheiten bedeutete, und in der Konsequenz die Verlangsamung, beziehungsweise den Stillstand der angefangenen Hirnentwicklung... Mit diesem Umstand lassen sich jedenfalls die vielen Verästlungen des Stammbaums erklären, die mit einem bestimmten Grad der Gehirnentwicklung in der evolutiven Sackgasse endeten... Es gab natürlich unter ihnen bestimmte Gruppen, die sich auch weiterhin mit der Droge abgaben, und eine solche Gruppe, die konsequent bei der Droge blieb, trieb dann die Vergrösserung und Weiterdifferenzierung des Hirns bis zum Sapiens vorwärts. An einem bestimmten Punkt, der eben mit der eigentlichen Zerebralisation gleichzusetzen ist, war das Denksystem dermassen etabliert, dass es neue Denkimpulse nicht mehr unbedingt benötigte, sondern sich nun selbständig zu behaupten wusste. Diesen Punkt darf man als die eigentliche Hominisation ansehen – die Übernahme des Planeten aus den Händen Gottes durch die Menschen.

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Für die gescheiterten Prototypen ist der Neandertaler vielleicht das beste Beispiel. Die Urahnen dieses Pechvogels hatten sich wohl kurz vor der Verselbstständigung des Geistes von dem drogenbenutzenden Phylum getrennt; jedenfalls war seine Kultur noch nicht aus sich selbst wandelbar, was anschaulich an seiner Technologie zu sehen ist, die einige Jahrhundertausende um kein Iota verändert wird. Erst als sich der Neandertaler mit dem aufkommenden Cromagnon/Sapiens konfrontiert sieht (der bereits über den voll entwickelten Geist verfügte) bekommt die Neandertalerkultur neue Impulse. Doch nun ist es bereits zu spät: der fitere Mensch verdrängt den urtümlichen.

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Es gibt noch Begebenheiten, in der Mythologie beschrieben Legenden und Mären, die bis heute ihre Deutung nicht gefunden haben. So die überaus mystischen Episoden vom Kampf der `Guten` gegen die `Bösen`, die es so gut wie in jeder Mythologie gibt (- Kronos kämpft gegen Titanen, Engelscharen kämpfen gegen Satan, in den Inka-Mythen kämpfen die Neuen Götter gegen die Alten usw., wobei die Bezeichnung `gut` und `böse` erst mit Mazdaismus aufkommt). Diese Episoden könnten wohl die mythologisch verbrämte Erinnerung an jenen Kampf sein, den der neukonstriuerte Homo SS (als das Gute/alles neu ist gut) gegen den veralteten, uneffizienten Neandertaler (als das Böse/alles uneffiziente ist böse) führte.

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Noch einmal ist die Zufälligkeit der Entwicklung unterstrichen. Denn natürlich essen auch die anderen Tiere die Pflanzen mit den psychodelischen Wirkstoffen. In einem Dokumentarfilm von Jamie Uys sind faszinierende Aufnahmen der Tiere in Afrika zu sehen, die zur Zeit der Reife der Marula-Pflaumen zu den betreffenden Bäumen pilgern und die überreifen Früchte geniessen. Die Pflaumen reifen in der prallen Sonne und gären noch am Baum, verwandeln dadurch den Zucker in Alkohol. Sobald sich die Tiere (Elefanten und Giraffen, Wildschweine und Affen, und alle nur erdenkliche Pflanzenfresser, aber auch die Buschmänner), die Bäuche vollgeschlagen haben, so werden sie stockbesoffen, und dieser Zustand gefällt ihnen anscheinend so gut, dass sie in keinem Jahr die Fruchtreife verpassen.

Trotz dieses fortgesetzten Rausches aber, kommt es zu keinem dieser Tiere, noch nicht einmal bei den ausgesprochenen Primaten wie Schimpansen, zu einer nennenswerten Zerebralisation. Denn es war wie gesagt jene äusserst zufällige Konstellation der Lebensumstände, die sich da gegenseitig in potenzierende Entwicklung vorantrieben. Einzig also bei diesem Tier führten die Drogen zu einer rhizomatischen Explosion der Gehirnzellen, die über das Stammhirn hinaus noch ein Kleinhirn und als Krönung ein voluminöses Grosshirn organisierte, mit seinen hochspezialisierten Regionen, Zentren und Schaltkreisen, welche die spezielle, humane Denktechnik bedingten, die sich durch die ständige Kontrolle der Situation bedingten Re-Mixing der praktischen Erfahrungen und ihrer gnostischen Verwertung auszeichnet. Alle andere Tiere blieben aus Mangel an den spezifischen Umständen (aus Mangel am `Glück` sozusagen) auf ihren primitiven, ihren Tätigkeiten angepassten, Hirnen sitzen. Einzig die Bedingungen, unter welchen sich das antropomorphe Tier entwickelte, jene auswählende Benutzung der Sinne, tätige Entfremdung der vorderen Extremitäten, möglicherweise auch noch andere nicht mehr spezifizierbare Umstände, die alle dermassen zueinander passten, dass sie sich in ihrer steuernden Auswirkung auf die Hirntätigkeit verstärkten, verursachten die Zerebralisation.

 

 

 

 

 

SINNESVERSTÄRKER

 

Im Rausch gibt es eine Fülle von skurrilsten Eindrücken. Diese werden durch die potenzierten Sinnesfähigkeiten, durch gesteigerte Nerven- und Hirnsensibilität verursacht. Die Normalität verliert ihren Sinn; sie wird uninteressant angesichts der Wunder der Phantasie.

Man bemerkt z.B. seltsame Abstufungen in der Farbpalette (manche Farben werden grundlos und unlogisch heller/dunkler – matter/satter, Intensität des Lichtes variiert nach Blickwinkel und Laune), Bilder verlieren ihre Logik, werden absurd (besonders anschaulich ist diese Unlogik der Bilder in `Alice in Wunderland` wiedergegeben), Musik klingt plötzlich und ohne irgendwelche bekannte Ursache qualitativ anders, der Tastsinn wird bis zum Wahnsinn empfindlich, manche Berührungen sind dermassen intensiv, dass sie geradezu schmerzen verursachen, Geräusche werden als laute Knallgeräusche `gehört`, Musik mit der Nase wahrgenommen.

Und dieses Phänomen, dieser Sinnesverstärker eigentlich, ist die eigentliche – göttliche/kreative - Wirkung der Droge. Dieses Phänomen sensibilisierte durch Jahrmillionen der Drogenbenutzung das neuro-vegetative System des Tieres zu dem, bis zum Selbstbewusstsein wachem, Vorderhirn des Hochleistungs-Sapiens. Zugleich bleibt das der wichtigste Punkt der Drogen-Denkarbeit: den Verstärker bestmöglich einzusetzen, effizient zu nutzen und gezielt weiterentwickeln.

Durch das gezielte Einsetzen dieses Phänomens `produziert` man Phantasie – man wird kreativ.

Die (Denk)Technik dabei ist ziemlich simpel. Montaigne rühmte sich damit, unter den verschiedenen Lesarten, die zuweilen eine Geschichte hat, für seine Absicht die sonderbarste und auffallendste auszusuchen. Das ist denktechnisch klar: was normal und farblos, das bekannt und uninteressant – also keine (kreative) Phantasie. Nur aus skurrilen Erkenntnissen lassen sich weiter die Nebelgespinste der Kreation spinnen; nur spinnerte Ideen zahlen – die Vernunft ist im Sinn der Zukunft so was von fade und langweilig und schrecklich dumm. Unsere Artifakten werden immer vernünftiger, und das ist gut so, denn sie können das ohnehin mit der mathematischen Präzision, unvergleichlich besser als wir.

Und das ist gut für uns, denn nun können wir den nackten Überlebenskampf, den wir in der Gottes Schöpfung am besten mit grösstmöglichen Vernunft führen mussten, einfach vergessen, was meint, nun steht es uns frei, zu geradezu professionellen Spinnern (= [fast zwangsläufig] Erfindern/Kreatoren/Schöpfern zu werden. Die Technik des Vorgangs (des kreativen Spinnens) ist, wie gesagt simpel: man überlasse sich einfach dem Rausch und sucht seine Gedankengänge auf kurioseste Weise miteinander zu verknüpfen.

Diese Verknüpfung ist nun der springender Punkt. Das ist eine Art von Disziplin, die notwendig ist, um tatsächlich eine Arbeit damit zu verrichten. (Das menschliche Leben, auch das superiore, wird nie Müssiggang und nackte Faulheit sein; das geht nicht denn die Kreation verlangt nach Disziplin. Sobald man sich diese Disziplin aneignet, bekommt auch der Rausch eine andere Qualität, denn er wird nur noch zur Arbeit benutzt.

 

 

 

 

 

DROGEN UND DENKEN AM BEISPIEL LSD

 

Die Rolle der Drogen bei der Potenzierung des Denkens, lasse sich am besten am Beispiel LSD verdeutlichen.

Bereits die ersten Experimente mit dem LSD haben uns auf die - inzwischen auch von der Wissenschaft akzeptierte - Tatsache aufmerksam gemacht, dass es im Hirn gewisse Mechanismen gibt, welche die Sinneseindrücke auf ein Mass reduzieren, das aus der physiologischen Sicht für ein Organismus vertretbar ist. Für ein unbestimmtes Wesen wie der frühere Mensch war das sicher eine sinnvolle Einrichtung: schon infolge des, sowohl qualitativ wie auch quantitativ minderwertigen, unvollkommenen Verständnisses seiner Umwelt, war seine Selbstsicherheit nicht allzu ausgeprägt. Für den heutigen Menschen jedoch, der auf Umwegen über die Transtechnik in die Transzendenz der Dinge vorgedrungen ist, sind diese `Realitätsfilter` zweifach unerwünscht. Einmal, weil die überwundenen Ansichten über die Strukturen in die er eingebettet ist, sehr wohl ein Mehr an der Information ertragen, und dann noch, weil er zwecks Überlebens - Über-Lebens sollte es korrekterweise heissen - in dieser, an sich feindlichen (da aus Mangel an Erkenntnissen über ihr miss-, beziehungsweise unverstandenen) Umgebung, auf dieses Mehr an der Information dringendst angewiesen ist.

Nun entstammt die Erkenntnis, dass es im Hirn jene Sinnessperren gibt, der Tatsache, dass LSD diese Sperren aufhebt, und den Hirnkomplex mit neuen Reizen überflutet, die dann freilich extreme Denktätigkeit verursachen. Das bedeutet weiter: aus einer Unzahl von Experimenten und Erfahrungen mit dem LSD, wird sich früher oder später nicht nur eine neue Erkenntnis der Welt herauskristallisieren, die jenseits jener Sinnessperren existiert; darüber noch hinaus werden die gleichen Sperren rein physiologisch aufgehoben. Das heisst, irgendwann einmal wird jeder Mensch auch ohne Droge heute noch unvorstellbare Sinneseindrücke empfangen können, was ihn dann in seinen Erkenntnistechniken von dem heutigen Menschen in etwa derart drastisch unterscheiden wird, wie sich der von dem Neandertaler unterscheidet, dieser von Homo Erectus, der von Australopythecus und der wiederum von `gewöhnlichen` Affen.

 

 

 

 

 

DROGEN ALS EXPLOSION DES GEISTES

 

Die Rolle, die Drogen im Wecken des Neuen Bewusstseins spielen, ist mühelos und einwandfrei nachweisbar.

Erinnern wir uns. Der endgültige Durchbruch bei der Potenzierung des technologischen Wissens vollzog sich inmitten des 20. Jahrhunderts, gerade zum Zeitpunkt, als sich die Menschheit plötzlich und überraschend, quasi `über die Nacht`, auch mit dem sogenannten `Drogenproblem` konfrontiert sah, mit dem Phänomen des Massengebrauchs der Drogen. Bis zu dem Zeitpunkt, bis in frühe Sechziger Jahre waren Drogen eher eine sporadische, nebensächliche Erscheinung. Bis da ging auch die Menschheit ziemlich ahnungslos voran - und in die Katastrophe. Kaum jemanden fiel auf, dass wir mit der fortschreitender Hochtechnisierung und damit verbundenem Überpopulationsproblem auch unsere Umwelt vernichten, damit den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Dann wurden die Drogen plötzlich populär, und schon gab es auch die, eben durch Drogen aufgepowerte Studentenbewegung, und die machte den Menschen die Augen auf. Sobald die psychodelischen Drogen in das politisch-soziale Leben en masse getreten sind, haben sie das Bewusstsein für die mannigfaltige Problematik der Postmoderne erschaffen; erst die Halluzinogene haben die Menschheit im Sinn der Ökologie wachgerüttelt - heutiges Umweltbewusstsein ist das direkte Resultat der Wirkung von Haschisch und LSD. Dito auch die, von den gleichen, drogenbedingten Kreisen inspirierte, antiautoritäre Erziehung, die dazu gut sein wird, die Umstrukturierung der sozialen Hierarchie zu bewirken.

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Hier wäre die Spekulation erlaubt, dass die heutige enorme Drogenpopularität, der unbestrittene Boom der Drogen, nicht so sehr ein Symptom der Massenflucht von der Wirklichkeit sein muss, nicht unbedingt, meine ich. Auf mich wirkt das Ganze mehr als ein Affekt des Selbsterhaltungstriebes, als rein instinktive - besser: intuitive - Reaktion des kollektiven Unbewussten auf die Vormachtstellung der Technologie. Die Spontanität, mit dem sich die Menschen den Drogen zuwenden, ist charakteristisch, und bereits das deutet hier an, dass es sich um eine, nach einem bestimmten Instinkt-Ziel gerichtete, also angeborene Verhaltensweise handelt. Als ahnen die Menschen, dass wir uns des klassischen, anthropozentrischen Denkens befreien müssen, wie auch, dass wir das nur mit Hilfe der Drogen schaffen können, als fühlen sie das Gleiche, was auch Kleist gefühlt haben mag, als er den bedeutungsvollen Satz schrieb: “Adam muss zum zweiten Mal vom Baum der Erkenntnis essen.”

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In der Kunst wird diese Ahnung von der wahren Rolle der Droge immer wieder und zunehmend deutlicher artikuliert. Im neuseeländischen Film `Good Bye, Pork Pie` (ein sehenswerter Film, übrigens!) ist eine kleine, fast belanglose Szene zu sehen, die aber von brennender Aktualität sein dürfte. Da rauchen zwei Männer Haschisch und einer erklärt dabei, wie die Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht wird. Als ihr Zünder dient eine Atombombe, die ihrerseits durch eine konventionelle Bombe gezündet wird. Und der Zünder dieser, meint der Mann und hebt den Joint hoch, braucht nicht grösser zu sein, als das hier. Die Wasserstoffbombe des Geistes, vermittelt uns diese Szene, wird durch den Joint gezündet; die Potenzierung des Denkens erfolgt durch Drogen.

 

 

 

 

 

FABRIK DER GENIES

(Hanf als Aphrodisiakum des Geistes)

 

Wie die Zeitschrift `Geo` es in einer Reportage berichtete, veranstalten die MIT-Studenten regelmässig wahre Kifforgien, richtige Kifferwettbewerbe, wo man sich in inhalierten Mengen zu übertrumpfen sucht. Wie es da hiess, kann in diesem harten Wettbewerb nur jener bestehen, der regelmässig exzessiven Kiffverbrauch trainiert.

Der Artikel nennt MIT `Fabrik der Genies`.

(Na? Klingelt da was?!)

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Cannabis ist zunächst die Droge der Träumer, der Phantasten, der Märchenerzähler... Cannabis ist das Brot der Erato... So ist der arabische Orient bekannt für seine dichterische Phantasie, die sich nicht minder in den Arabesken, Ornamenten und Fantasia darstellte, in der Kalligraphie, in dem Märchen überhaupt. Der phantasieblühende Orient ist die Heimat der schönen Tschirasadh, der Geliebten des Kaisers Chosrans II., die den Haschisch so liebte, wie eine Gazelle Gras liebt, und die wegen ihrer blühenden Phantasie unter dem Namen Scheherezade für die Welt und Ewigkeit und Amen ein Begriff sein wird.

Als in den früheren Zeiten der Hanf den Zutritt in die Domänen der europäischen Alkoholkultur fand, unter römischen Soldaten etwa, die an den exotischen Fronten die Droge kennengelernt haben, oder unter Künstlern, die schon immer von der Phantasie des Orients angezogen gewesen sind, so wurde er sozusagen rein `orientalisch benutzt`, als Genussmittel und reines Zeitvertreib. (Wegen dieses quasi `unseriösen Gebrauches`, hat der Hanf in der arabischen Welt kaum besseren Ruf als Alkohol in den Alkkulturen. Hanf ist wie Feuer: er verbrennt viel und wärmt wenig! besagt eine maghrebinische Redensart.) Erst als der Hanf sich en masse in der Ersten Welt verbreitete, kam es zu einer Änderung in dieser Praxis. Die Jugend, unter der sich die Droge vor allem ausbreitete, hatte von der Qualität des Halluzinogens zunächst keine Ahnung, man wurde von den Nebeneffekten (wie Bereicherung der Phantasie) auf angenehmste Überrascht, so erlebte der Hanf eine richtige Revolution.

Denn nun begann der, an das Grübeln und die Analyse gewöhnte, Europäer mit der potenzierten Phantasie zu experimentieren, sie nach den Regeln der Kunst zu formen, zu kreieren.

Bald zeigte sich jetzt, dass der Hanf und ob ein `Aphrodisiakum` des Geistes bedeutet, dass er sowohl seine analytische wie skeptische Seite aufweist. Mit Hilfe des Hanfs also, das ist schon jetzt abzusehen, wird sich eine neue Denktechnik, eine Höhere Logik herausbilden.

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Was es exzessiven Kiffens angeht:

Ich selbst rauchte etwa 6 Jahre lang gut 10 G. täglich. Nach 8 Monaten solches exzessives Kiffens folgten dann 4 Monaten absolutes Fastens. Dann wieder 8 Monate kiffen usw. 6 Jahre lange, wie gesagt. Das war auch meine kreativste Zeit.

Solche `Rosskuren`, wo man sich gelegentlich über einen gewissen Zeitraum mit grösstmöglichen Mengen am Hanf antörnt, sind allen KifferInnen zu empfehlen. Allerdings ist es ideal, zu der Zeit keiner Beschäftigung nachzugehen. Die mentale Tätigkeit usurpiert alle Energien des Körpers. Also wenigstens im Urlaub, wo man dem Körper nur Denken und Sport zumuten kann, sollte man einige Gs. täglich wegputzen. (Darum aber lasse man unbedingt Alkohol weg!!!) Besser ist es allerdings, den Powertorn einige Monaten durchzuziehen.

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Was es der leidigen Diskussion über die Verkehrstüchtigkeit der Kiffer angeht:

Die ist absolut gegenstandslos. Mit dem Dope ist man in der Regel wacher, als nüchtern, und die Reaktionszeiten sind um etliches kürzer. Wohl hat jeder Kiffer (zumal der früherer Generationen, wo die Polizei keine Hanftests machte und man ungestört bekifft herumkurven dürfte) seine extrem positive Erfahrungen in diese Richtung. (Es gibt sicher auch Ausnahmen von der Regel, doch sie sind minimal und ohne weiteres zu tolerieren.)

Es gibt eine tolle Geschichte, mit dem die Behauptung nachgewiesen werden kann. Die Geschichte hört sich an, als wäre sie ein Kiffer-Kalau, ist jedoch verbürgte Wahrheit.

Ein Freund von mir, der Coole Pit, ein wahrer Monsterraucher, der seit seinem 14. Lebensjahr einen starken Rauchverhalten hatte, war während jahrelang-exzessiven Konsums tagaus-tagein mit dem Fahrrad auf den stressigen Strassen Stuttgarts unterwegs, ohne auch den kleinsten Unfall zu erleiden. Einmal dann machte er Urlaub, wo er eine Zeitlang nichts rauchte, und da tappte er buchstäblich von einem kleinen Unfall in den nächsten. Unter anderen knallte er auch in einer Kurve mit dem Motorrad auf einen Felsen.

 

 

 

 

 

LEHRBUCH DES NEUEN DENKENS

 

Das seltsame Märchenbuch `Alice in Wunderland` könnte, so seltsam sich das anhört, ein Lehrwerk des Drogendenkens sein, des Denkens (= der Kreativität) unter dem Einfluss der Droge. Lewis Carroll selbst war ein exzessiver User, ein Cannabisseur, der seit seiner Jugend bis zum Tode jede Woche einige Unzen der Droge zu sich nahm (ohne je die Dosis zu erhöhen, jede Woche gleiche Menge). Er war wohl der erste Mensch, der die höhere Logik bemerkte, die uns die Halluzinogenen schenken. Es gibt auch Arbeiten von ihm, die sich direkt mit der Logik beschäftigen (die sind auch in Form von Kinderbücher ausgeführt), doch ist seine Praxis wesentlich interessanter.

Diese ist eben in `Alice... ` so anschaulich gegeben, das man das Werk, wie gesagt, als ein Lehrbuch benutzen kann.

Was man aber zunächst nicht vergessen darf: hierbei geht es nicht mehr um das alte, gute sapiale, vernünftige Denken. Die sapial verstandene Vernunft ist extrem darauf bedacht, die Harmonie der Sphären zu erhalten; man war am besten beraten, ganz im Sinn der Natur zu funktionieren, so hatte man quasi eine Garantie auf Fortkommen und Gelingen (und wenn doch nicht, dann war man wenigstens vernünftig genug, sich damit abzugeben). Diese Vernunft war natürlich, also natürlich auch erlernbar; selbst durch blosses repetieren (der Naturvorgänge). So sind die sapialen Lehrbücher einfaches Vorsagen gewesen; war man fleissig, so könnte man es schon durch blosse, schweisstreibende Repetition schnell intus haben. Die Logik der sapialen Vernunft, das ganze sapiale Denken, ist eigentlich eine Sache des Fleisses, des Trainings, der Routine.

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Jetzt kann man auf den gravierenden Unterschied zwischen dem sapialen und superioren Denken hinweisen: das superiore Denken ist dem sapialen Diametral, denn es ist (bzw. es wird sein) eben alles andere als irgendwelche Routine, auch das kleinste Einflug irgendwelcher Wiederholung (es sei die Repetition als künstlerisches Gestaltungsmittel) macht das höhere Denken minderwertig und verfehlt. Der superiore Mensch ist sowohl auf grösstmögliche Individualität des Denkens bedacht, wie auch auf seine unbedingte inhaltliche Originalität.

Dieses Denken ergibt sich von selbst, aus der Eigenschaften der Welt, in der das superiore Wesen nun zunehmend arbeiten, denken und leben lernt. Die Strukturen der 3. Schöpfung nämlich können sich auf dem Prinzip einer simplen Logik (die auf dem Gegensatz zwischen + und – baut, zwischen `gut` und `böse` sozusagen, die also sapial-vernünftig ist) nicht weiterentwickeln. Die Grenzenlosigkeit der zukünftigen Welt lasse sich mit zwei gegenpoligen Koordinaten logischerweise nicht im Minimum erfassen. Diese Welt wird folglich mittels individuellen Ideen erfahrbar und begreifbar – mit einem Wort: nur als individuell wird diese Welt lebenswert.

In diesem Sinn sind die religiösen Lehren so wichtig gewesen: sie lehrten die Toleranz, bereiteten eben damit die Menschheit auf die `jenseitige Welt` vor, auf die Zukunft, auf die Transzendenz, auf die Individualität.

(Der Nazarene hatte also einen extrem langen Blick, als er erkannte, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist.)

Denn die drastische Individualität der Neuen Welt wird nur mittels absoluten Toleranz, ja absoluten GleichgültigkeitK gegen allen anderen Sein.

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Nun kann man den Wert von `Alice...` als Lehrbuch des Neuen Denkens erklären. Darin ist eben diese extrem schöpferische Kunst der Neuerschaffung, diese unbedingte (= individuelle), ungekünstelte Originalität gut zu beobachten. Diese Kunst stellt die ganz banale Situationen auf den Kopf, polt sie um und deutet sie nach willkürlichen Einfällen, so, dass zu einem alle Wertungen (zumal die von + und -) gegenstandslos werden, weil man sich in einer Welt befindet, wo eben solche Sachen an sich belanglos sind. Zudem lässt diese neue Denkkunst noch nie erlebte Denkkonstellationen (vulgo: Ideen) entstehen.

Diese (die Ideen) braucht die 3. Schöpfung, um weiterwachsen zu können: es ist klar, dass man seine Einfälle in der Neuen (= kybernetischen) Welt realisieren sucht. Darum entwickelt sich die Virtualität (= Kybernetik an sich), diese Brücke in die Transzendenz, mit dem Wahnsinnstempo, dem scheinbar niemand folgen kann.

In der Virtualität kommt ein von den berühmtesten Sätzen Carrolls zu Ehren. Gemeint ist der Satz der Königin: 'Hierzulande mußt du so schnell rennen, wie Du kannst, wenn Du am gleichen Fleck bleiben willst'. Das ist heute eindeutig der Fall: will man mit der rasenden Entwicklung Schritt halten (= auf dem gleichen Wissensniveau bleiben), so muss man aus allen Kräften mithalten.

Das, was da im Buch passiert, hat mit einer Realität herzlich wenig bis nichts zu tun, und dieser Zustand ist auf wundersamste Weise zu der 3. Schöpfung kompatibel, welche soeben im Begriff ist, die Realität in Richtung der Virtualität zu verlassen. Dass in der Virtualität die Vernunft ebenso ihren Wert verliert, das brauchen wir nicht besonders zu betonen.

(Es gibt noch mehr Ähnlichkeiten von `Alice...` und Cyberspace: so wird die kleine Heldin alle paar Meter kleiner bzw. grösser, gerade wie es für den weiteren Ablauf der Geschichte passt, und dass erinnert an Computer, wo man auch alles nach Lust und Laune vergrössern bzw. –kleinern kann.

Oder: in der Welt der Alice ist cool zu bleiben ebenso die Hauptsache, wie in der zukünftigen, superioren Welt die totale Coolness ein und alles sein wird.)

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Für Menschen, die sich bewusst bemühen, ihre Droge zu benutzen, bedeutet Carrolls Buch nur aufeinanderreihen von Beispielen, wie man jenen Übermass an der Phantasie, über den man im Rausch verfügt, gezielt benutzt und künstlerisch formt. Anders als die sapialen Lehrbücher, die Denkbeispiele als pars pro toto gaben, als Trainigseinheiten (– auf, dass man damit lernt, identische Resultaten zu bekommen), sind Carrolls Beispiele natürlich nicht bindend; wären sie das, so wäre keine Originalität in Folge gewährleistet. Man lernt an ihnen also nur Konstruktionsweise, anhand welcher man dann seine (Kunst)Welten zu entwickeln beginnt. Die können – müssen! – dann in ganz anderen Richtungen liegen, als die von Carroll.

Diese Welten werden, auch das zeigt Carroll extrem deutlich, um so gelungener, je bereiter man ist, seine Seriosität, seine Erziehung, seine sonstigen Gewohnheiten, sein Wissen und sonstwas restlos zu vergessen, sich somit auf das Format eines unwissenden Kindes `zurück`entwickelt, und dann mit den Situationen und der ganzen Existenz einfach spielt.

Das diese Welten dann in der Praxis zunächst nur als Wahnvorstellungen eines Don Quijotes anmuten, als Potemkinsche Dörfer einer noch unrealisierten Zukunft, bestenfalls als Wunschvorstellungen im Sinn vom New Economy, das hat an sich überhaupt nichts zu sagen. Wir haben es loblicherweise zu einer Gesellschaft gebracht, wo es richtig möglich ist, mit der eigener Existenz zu experimentieren, ohne ausgesprochen böse Folgen befürchten zu müssen, in meisten Ländern gibt es wenigstens eine minimale soziale Absicherung für alle.

Durch das Spiel jedenfalls, kommt man zu Erfahrung mit diesem Neuen Denken, man beginnt sozusagen `seinen eigenen Weg zu erkennen`. Ab da ist man schon fit, `für die Zukunft zu denken.

 

 

 

 

 

 

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