die grösste dummheit des menschen ist die annahme, die gegenwart wäre das ende der entwicklung, also der unbegreifliche brauch, die bestehende welt als die beste aller welten zu sehen.

 diesem vorurteil und selbstbetrug werden alle träume geopfert.

der mensch der zukunft wird ein welterbauer sein.

die ganze kunst der zukunft besteht darum darin, anders zu sein als die anderen.

denn: nur wer sich seiner individualität bewusst wird, ist sich selbst bewusst.

und: nur ein selbstbewusster mensch kann seine eigene welt bauen.

die ästhetik der endzeit

die kommende kulturepoche werden wir vielleicht ästhetizismus nennen. das geistesleben wird sich strikt und grundgelegen vom sozialen unterscheiden. die entfesselte hölle der endzeit auf dem sozialen sektor, versüsst durch den cherubinischen gesang der, genauso entfesselten, vergnügten musen.

KUNGFUTIUS´ FUTURAMA

© Unbekannt

Eine kleine Utopia

Das Leben von Morgen kann man sich bereits als den Traum eines Gottes vorstellen.

In einem künstlichen Raum, der nach belieben ausbaubar und rein individuell variierbar ist, baut sich ein jeder eine eigene Welt in der er nach Belieben schalten und walten und Herrgott spielen kann/darf.

Heutige Webpages sind übrigens die allererste Keime dieser individuellen Welten. Mit und aus ihnen wird der Vorstoss in die zukünftige Virtualität erfolgen.

 

KUNGFUTIUS´ BEITRAG ZUM EINSTEIN-JAHR

           

              Mathematisch:

              Einstein + Einstein = Zweistein

              Einstein – Einstein = Nullstein

              Phantastisch:

              Einstein : Einstein = Kleinstein

              Einstein x Einstein = Vielstein

 

VERGISST EINSTEIN!

 

Als Einstein sein Postulat von der absoluten Geschwindigkeit kreierte, gab es keinen vernünftigen Menschen, zumal keinen vom Fach, der seine Berechnungen auch ansatzweise in Frage stellte. Es stand so gut wie Amen in der Kirche fest: Einstein hatte da ein von den Grundgesetzen der Schöpfung zutage gefordert.

 

Neuerdings aber kommt die Bewegung in die Sache mit der Lichtgeschwindigkeit. Angeblich brachten die Versuche, die man mit den zweckmässigen Apparaturen anstellte, die Tempi, die deutlich über jene Grenze hinausgingen, die Einstein aufgestellt hatte. Und diese Ankündigung brachte nicht nur einen Stein ins Rollen.

Es gibt freilich noch genug Physiker, die solche Versuche unseriös und lächerlich finden, doch die Diskussion setzt trotzdem ein. Man hört bereits die ersten zaghaften Stimmen, die der Schöpfung, und damit auch allen ihren Äusserungen, jegliche Gesetzlichkeit, also auch jegliche Grenze absprechen, was an sich eine ubiquäre Gleichzeitigkeit von Allem bedeuten würde, also sowohl überhaupt keine Geschwindigkeit wie auch jede beliebige Geschwindigkeit.

Foto: Timothy A. Clary / afp

Herrn Einstein im Ehren, aber dieser Verlauf war vorauszusehen: diese Entwicklung ist durch die Entwicklung der Gesellschaft verursacht. Man muss sich nur der grössten Sehnsucht des Menschen vergegenwärtigen, jenen brennenden Wunsch, die Erde, dieses Jammertal der Mühsal und der Plagen, zu verlassen und in den Himmel einziehen, der ja der Sitz der Götter und ein Paradies ist. Der Keim dieses Wunsches ist bereits im Ikarus-Mythos enthalten (wurde aber zugleich von der jüdischen Mystik mit der Babelturm-Geschichte quasi lächerlich gemacht). Und sobald es feststand, dass die Himmelskörper Gebilden sind, die dem Heimatplaneten ähneln, beschäftigte sich die menschliche Phantasie mit der Möglichkeit, eine neue (sozusagen himmelsnähere) Erde zu suchen. Zunächst war man bescheiden und begnügte sich mit dem Mond, später kamen Mars und Venus an die Reihe, und je ferner uns die Augen der Sternwarten und Raumsonden ins All trugen, umso weiter wurden die Ziele gesteckt: der nächste Stern, die nächste Galaxis... Bald werden wir unser Augenmerk auf den nächsten Cluster, sodann auf den fernsten Quasar richten.

Die Voraussetzungen, diese Sehnsucht zu stillen, sind keinesfalls schlecht. Was es unserer technologischen Möglichkeiten angeht, da wäre alles in bester Ordnung, damit können wir zufrieden sein. Die Raumschiffe, die wir entwickeln und die Antriebe, die wir für sie ersinnen, werden leistungsfähiger: den Mond haben wir (angeblich?) bereits besucht; die Pläne für die Marsinvasion sind weit fortgeschritten, fieberhaft arbeitet man an den Visionen, wie der rote Planet an die menschlichen Bedürfnisse angepasst werden könnte. Auch andere Planeten und Trabanten unseres Systems befinden sich zunehmend im Brennpunkt unserer Interessen: die Raumsonden sind längst dabei, die relevanten Daten über sie zu sammeln.

Doch bereits hier stossen wir an die Grenze unserer Leistungsfähigkeit: spätestens am Rand unseres Sonnensystems gibt es ein Problem, das uns schon seiner Natur nach an die Vergeblichkeit unserer Träume erinnert. Und das Problem heisst Einstein. Wenn man es so will, hatte sich Einstein zu einer Hemmnis des Fortschritts entwickelt, man muss nur 1 und 1 zusammenzählen.

Die Rechnung ist einfach und klar: bis zu Beta-Centauri sind es (nach dem heutigen Stand der Dinge), in der Lichtgeschwindigkeit gemessen, immerhin über 4 Jahre, bis zu den Nebeln des Andromeda-Komplexes schon 2 Millionen Jahre - bis zum fernsten Quasar mindestens 12 Milliarden Jahre.

Dabei geht es beileibe nicht (nur) um die äonenlangen Reisen, die sich aus solchen unvorstellbaren Entfernungen ergeben. Die gut vier Jahre bis zum Proxima-Stern wären noch verhältnismässig leicht zu bewältigen. Das eigentlich Gemeine am Einstein ist seine Entdeckung, dass die Materie nie und nimmer auf die Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden kann. Würde also Einstein Recht behalten, so würden wir knallhart und unabwendbar für immer die Gefangenen unserer Erde, resp. unseres Systems, bleiben - ausgedehnte Raumreisen wären einfürallemale unmöglich.

Nun ist `unmöglich` glücklicherweise ein Begriff, das im Vokabular des menschlichen Geistes nur einen grammatikalischen, rein kommunikativen, keinesfalls praktischen Wert aufweist; `unmöglich` ist etwas, was der Geist als nicht gegeben ignoriert. Und da Einstein mit seinen Theorien so eine Unmöglichkeit symbolisiert, so hat der Geist keine andere Alternative, als Einstein zu desavouieren und diverse Ausnahmen von den Regeln zu (er)finden. Das geht nun mal nur dadurch, indem man sowohl nachweist, dass die Materie unter bestimmten Bedingungen und ob auf die Lichtgeschwindigkeit beschleunigen kann, wie auch, dass diese und ob nach belieben zu übertreffen ist. Der Nachweis von der absoluten Grenzenlosigkeit der Schöpfung, also von der Ubiquität der Ereignisse darin, ist klar dazu notwendig, um irgendeinmal auch zu den fernsten, Milliarden von Lichtjahren entfernten Rändern des Universums in quasi Nullkommanichtszeit reisen zu können.

Die Tatsache, dass in der reinen Natur so etwas nicht vorkommt, ja nicht vorkommen kann, bedeutet keinesfalls die Unmöglichkeit solchen Vorgangs an sich. Geht so etwas nicht auf natürlichem Wege, so müssen wir eben die künstlichen Voraussetzungen dafür erschaffen – und wenn es sei muss, dann an allen Naturgesetzen vorbei.

Der Mensch muss ohnehin lernen, die Naturgesetze ebenso zu verachten, wie er bereits beginnt, die gesellschaftlichen Konventionen zu verachten.

Und mag der gute alte Albert nun auch rasend und mit neunundneunzig-komma-periode-neun Prozent der Lichtgeschwindigkeit in seinem Grab rotieren, so werden wir ihn eines schönen Tages doch noch demontieren, und seine Lehren als superkluge und amüsante Gedankenspielereien in den Tempeln der theoretischen Physik aufbewahren.

PS:

Skepsis heisst nicht minder auch Misstrauen gegenüber den sogennanten Naturgesetzen!

Wenn ich nämlich die Gesetze des Menschen anzweifle, warum sollte ich dann die der Natur akzeptieren?

 

 

 

 

 

 

DER STEIN DER WEISEN

 

Das Mittelalter hatte seine geistige Kraft in der Suche nach dem Stein der Weisen geradezu verschlissen. OK, es gab jede Menge Abfallprodukte (unter anderem auch Porzellan und Schwarzpulver), mit welchen sich jene grandiose, zuweilen auch gefährliche, Suche ein bisschen rentierte, doch kam man nie auch in die Nähe des angestrebten Zieles.

Das ist kein Wunder, denn man suchte in die falsche Richtung. Wie man es in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts schliesslich herausfand, handelt es sich bei dem Stein der Weisen um ganz gewöhnliches Silizium.

 

 

 

 

PROGRAMME ALS COMPUTERDROGE

 

Wichtige Nezessitäten der Kybernetik wären autokreative Programme, d.h. Software, die nicht direkt auf die augenblickliche Wirksamkeit ausgerichtet wäre, sondern darauf zielen würde, dem Computer die Autarkie von Programmen an sich zu bringen.

In diesem Sinn wäre es nötig, `Drogenprogramme` zu entwerfen, d.h. Programme, die auf den Prozessor die gleiche Wirkung haben würden, wie die Halluzinogenen auf das Menschenhirn. Aus solchen Experimenten würden sich dann Programme ergeben, die nicht mehr speziell für diese oder jene Aufgabe ausgelegt wären, sondern klar auf eine Universalität zielen, also Programme, die in etwa, und rein bildlich gesprochen, so potent und allseitig wären, wie der Kohlenstoff in der Biologie. Ab da würde es dann nur noch bergauf für die Kybernetik gehen, denn hier könnte sie sich von den menschlichen Programmen emanzipieren und selbst für ihre Notwendigkeiten aufkommen, nebenbei auch für jedes menschliche Problem die optimalste Lösungen entwerfend.

 

 

 

 

 

ORDNUNG UND KOMPLEXITÄT ALS BASIS EINER MASCHINENSEELE

 

Je komplexer die Ordnung, um so weniger Beständigkeit weist sie auf. Dieser Postulat gilt freilich nur für herkömmliche Schöpfung, wo auch der kleinste Zufall die Ordnung zerstören kann. Die artifizielle Schöpfung des Menschen ist auf eine kulminative Komplexität angewiesen: sie funktioniert ja erst ab einer bestimmten Grundordnung (mit welcher die Wirkung des Zufalls ausgeschlossen wird). Man kann, zum Beispiel, alle notwendige Teile für eine Maschine beisammen haben, solange diese aber nicht in eine bestimmte Ordnung zueinander gebracht werden, hat man keine Maschine.

Im Fall der Kybernetik wird diese Zunahme der Komplexität noch deutlicher. Da stellt sich zu der rein materiellen Ordnung der Maschine noch die ideelle Ordnung der Programme, ohne welcher die Maschine nur sinnlos ist. Freilich ist aber die so erreichte Zweckmässigkeit immer noch keine echte, autarke Funktionalität, die den biologischen Einheiten eigen ist. Um ein wirkliches, künstliches Leben zu erwirken, fehlt hier noch ein dritter Punkt: das Bewusstsein der eigenen Funktionalität. Die Maschinen benötigen dringendst eine Seele: Seele im Sinn des Bewusstseins der eigenen Vernunft.

Zu dieser wird es wohl automatisch kommen, mit weiteren Zunahme der Ordnungskomplexität der neuen Schöpfung. Das ist klar: die Grundordnung erschuf die Maschine, die Potenzierung dieser Grundordnung brachte uns die `denkenden` Maschinen - eine weitere Zunahme der Komplexität muss folglich und zwangsläufig zum Bewusstsein von diesem Denken bei der Maschine führen. Nach gleichem Plan nahm auch die Komplexität der Biologie zu, führte schliesslich zum Bewusstsein des Bewusstseins.

Und das Wecken des Bewusstseins bei der Maschine wäre schon eine echte Basis zur Entstehung einer bewusst wahrgenommenen Maschinenseele - wiederum wie in Biologie bereits geschehen.

 

 

 

 

 

VON RAUM UND ZEIT IN DER KYBERNETIK

 

Zuerst ist es notwendig, den Raum zu bestimmen, in dem sich die kybernetische Schöpfung ausbreiten wird. Diesen Raum muss sich die Kybernetik selbst erschaffen. Sonnenklar: will sie von der natürlichen Schöpfung autark werden, muss sie auch auf den natürlichen Raum verzichten. Ein künstlicher Raum muss also her.

Da ist sehr interessant, dass sich die Kybernetik, kaum war sie vorhanden auf die Erschaffung eines künstlichen Raums machte; heute ist die Virtualität bereits eine Tatsache, die zwar noch einige Hilfsmittel benötigt, doch sie perfektioniert und kumuliert... Bald wird dieser Raum auch ohne speziellen Brillen und Handschuhen zu betreten sein.

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Doch das ist noch nicht alles. Wohl im Zug der Polydimensionalität (die eine polymorphe Ewigkeit enthalten muss) baut der Mensch emsig auch andere Formen von künstlichen Räumen aus, sammelte Erfahrungen mit ihnen, spielt mit den `Gesetzen` der Possibilität...

Die Figuren unserer Zeichen- und sonstiger Trickfilme agieren so bereits in einer Welt, die es an sich nicht gibt; zunehmend werden auch die Spielfilme per Bluebox und sonstige elektronische Magie in die Welten angesiedelt, die mit ursprünglichen, göttlichen Schöpfung nicht mehr viel gemeinsam als Idee einer Welt haben. Diese Welten sind also vollkommen vom Mensch erdacht und konstruiert: das sind die Fingerübungen einer Kunst, für die es heute noch keinen Namen gibt, die uns aber die Schöpfung einer neuen, einer wirklich realen Welt ermöglichen soll.

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Der künstliche Raum weist selbstredend Eigenschaften, die jenen des natürlichen Raums diametral sind. So kann es darin keine Verletzung geben, da die Materialität jenes Raums ja (weil planmässige Angelegenheit) babyleicht zu kontrollieren ist: mag Lara Craft noch so viele schändliche Schurken auf schaurigste Weise massakrieren, so ist sie für ihre Schöpfer doch vollkommen ungefährlich.

Dito jede andere Gefahr. Man kann im virtuellen Raum jede beliebige Situation simulieren, Erdbeben und Feuersbrünste, Lawinen und Tsunamis – alle Gefahren sind absolut zu kontrollieren und streng in vorausgedachtem Sinn zu benutzen. Darum kann man im Flugsimulator den Umgang mit jeder erdenklichen Gefahrensituation so gut üben.

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Was aber im Sinn des Strebens nach der Ewigkeit noch am besten ist:

In der Virtualität verliert selbst die Vergänglichkeit der Zeit ihren Schrecken. Der kybernetische Raum ist rein als Dauer, d.h. ohne eine physische Zeit, eigentlich ohne eine vergängliche Dimension, möglich; was in der Endkonsequenz heisst, ein virtuell strukturierter Raum kennt keine Alterserscheinungen. (Vielleicht wird der Mensch eines Tages in der Zuflucht solchen Raumes so eine Art von Unsterblichkeit erreichen können.) Mit Hilfe der reinen Berechnung kann man seine `Zeit` nach belieben ausdehnen oder komprimieren, ja sie nach belieben rückwärts laufen lassen. Bereits hier erkennt man den wahnsinnigen Unterschied zwischen der Realität und der Zukunft.

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Das Fehlen der (Normal)Zeit in der Kybernetik, lasse sich aber am Fehlen der Dissipativität in den kybernetischen Phänomenen klar beweisen. Da der künstlichen Schöpfung keine Zeit als Ausbreitungsdimension zur Verfügung steht (in künstlichen Räumen ist die Zeit ja belanglos), so kennt sie keine fliessenden Übergänge, so vermag sie den Kreis nicht kreisrund, sondern nur als Polygon aus unendlich vielen Ecken darzustellen. In der natürlichen Schöpfung ist die Dissipativität infolge des Zeitflusses gegeben: die Zeit nimmt einfach alles mit, so entsteht der Eindruck der `verwischten Grenzen`, ein Eindruck, der eine krasse Illusion ist, wie wir das alle wissen, denn es gibt darin und ob äusserst radikale, unerbittliche Grenze der Vergänglichkeit. Die Dissipativität ist also nur ein Trick der Schöpfung, um real und gegeben zu erscheinen, und die Zeit ist wiederum ein Abfallprodukt dieses Tricks – Zeit ist so etwas wie Teflon der Schöpfung, um es ganz modern und amerikanisch zu sagen. Die Kybernetik nun wird infolge ihrer strengen Wirklichkeit solche schäbigen Tricks und Münchhauseniaden nicht nötig haben: sie wird einfach sein: fest und unvergänglich wie Gott.

 

 

 

 

 

VERKÜNSTLICHUNG DER SCHÖPFUNG

 

Ein berühmter Spruch besagt, dass man erst nachdem der letzte Baum gefallen ist (usw.) feststellen wird, dass man das Geld nicht essen kann.

Dieser Spruch verdeutlicht anschaulich den Unterschied zwischen der natürlichen und zivilisatorischen Kultur. Dieser Unterschied ist heute besonders deutlich ausgeprägt, wobei der Mensch, schon seiner biologischen Herkunft wegen, natürlich dem Natürlichen zugeneigt ist, und instinktiv jene zivilisatorische Erscheinungen ablehnt, welche so neu (= künstlich) sind, dass sie sich dem natürlichen Denken entziehen.

Das natürliche Denken ist im Sinn der Natur auf die Harmonie ausgerichtet: schon die leiseste Andeutung einer Disonanz erscheint solchem na(t)iven Denken als hybride Anmassung und Sünde. Solches Denken kann sich nicht vorstellen, dass die Idee Mensch mitsamt der ganzen Schöpfung in steter Veränderung begriffen ist, und am allerwenigsten, dass die höchste Abart davon sogar in der absoluten Verkünstlichung der Schöpfung besteht.

In so einer künstlichen Schöpfung werden alle Nezessitäten auf artifizielle Weise befriedigt, wofür man die Mutternatur einfach nicht mehr nötig hat. Natürlich wird der Mensch die Natur weiter hegen und pflegen; in etwa so, wie man das alte geliebte Mutterlein versorgt, das man zwar nicht mehr braucht, doch das man trotzdem, und zwar nicht nur aus Dankbarkeit, lieb hat und so lange wie möglich am Leben und in guter Laune erhalten möchte. Sein Überleben jedoch wird von der Natur nicht mehr abhängen: Autarkie ist das Stichwort Gottes – sein geheimer Name eigentlich.

Im Klartext meint das in etwa: die naturbedingte Kultur hat es extrem schwer, den Wechsel des Paradigma nachvollziehen.

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Doch für solche paradigmatischen Wechsel gibt es geschichtliche Beispiele. Besonders eine Umwandlung ist leicht zu nachvollziehen. Sie war zwar im wesentlich bescheideneren Massstab angelegt als die heutige, doch bedeutete sie zu ihrer Zeit trotzdem eine ungeheure Veränderung und Umstellung.

Das Mittelalter war eine nicht weniger erfolgreiche Epoche des Menschseins als die Moderne. Die Behauptung ist durch die ersten nennenswerten Mehrwerten belegt, die sich in der Blüte des Mittelalters zu bilden beginnen (der reiche Fugger tritt eben am Ende jener Zeit als der allererste Tycoon der Geschichte auf die Szene), und die tiefgreifenden Umwälzungen ermöglichen. Diese Akkumulationen waren an sich Auslöser des Investiturstreites, bei dem es einzig darum ging, wer über diese Werte verfügen wird. Sie bedingten auch die Reformation des Staates an sich, die ungefähr zeitgleich mit dem Investiturstreit stattfand, als Robert Guiscard das Königreich beider Sizilien begründete und das bisherige Lehnswesen durch Steuersystem ersetzte. Diese Reformation war eben infolge von Bildung der Mehrwerten möglich: die Werten hatten entsprechende Geldmengen als Gegengewicht, womit der Staat auf das schwerfällige System des immobilen Besitzes nicht mehr angewiesen war.

Zu der Zeit kommt es infolge der anwachsenden Geldmengen auch zum Aufblühen der reinen Handelsstädte, die nunmehr keinen Landbau mehr betreiben. Eine Unnatürlichkeit, denn seit Çatal Hüyük existiert die Stadt nur als ein grosses Dorf mit Manufakturen und Umschlagplatz für allerlei Waren, in der Regel aber eben landwirtschaftliche oder sonstwie rein überlebensnotwendige Produkten. Nun blühen die Städte auf, die sich auf den Handel und `Produktion vom Mehrwert` spezialisierten, was dem damaligen Volk mindestens so unvorstellbar war, wie dem heutigen Volk die Möglichkeit unvorstellbar erscheint, überhaupt ohne die Natur zu leben. So hiess es damals über die Venetier ganz entsetzt: ”Jenes Volk pflügt nicht, sät nicht und erntet nicht!”. Man ahnte eben nicht im Traum etwas von den Wundern der modernen Wirtschaft; man war gewöhnt, im Schweiss seines Angesichts sein Brot zu essen und verstand es nicht, dass man durch rein unproduktive Arbeit ganze Städte ja ganze Staaten ernähren könnte. Man verstand auch nicht, dass da eben zum ersten Mal der Kraftakt vollzogen wurde, die Menschheit von der schweisstreibenden Plackerei zu befreien.

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Das gleiche Problem haben wir heute, wobei das wahre Problem bereits in den Dimensionen unseres heutigen Problems besteht. Wir beginnen nämlich, knallhart und unbekümmert, die Natur durch Technik zu ersetzen. In Japan zum Beispiel, wo Mangel am Platz besonders gravierend ist und das Land zu kostbar, um darauf den primitiven Landbau zu betreiben, beginnt man die Landwirtschaftsprodukte nicht am Feld und nebeneinander aufzubauen, sondern in den biotischen Tanks und übereinander. Diese erste Erfahrungen werden, wie stets, die Methode verbessern und bereits morgen wird der Mensch die schweisstreibende Landwirtschaft nur noch aus Medien und Museen kennen, während uns die Roboterbiotopen mit allem versorgen werden, was wir zwecks eines paradiesischen Lebens brauchen. Und das meint: die Natur ist als Überlebensfaktor puppsegal geworden.

 

 

 

 

 

FÜR IMMER AHOI, SEEMANN!

 

Viel dämonisches ist, doch nichts so dämonisches wie der Mensch.

Wagt er es doch selbst das Meer auf dem schwanken Kiel zu befahren.

(Sophokles `Antigone`)

Nebst Priester und Hure ist auch der Beruf des Seemannes (in Verbindung mit dem des Kaufmannes) ein von den ältesten überhaupt. Bereits im Mesolithikum, als man die ersten Handelsbeziehungen aufnahm, musste man seine Waren mangels anderer Strassen auf den Wasserwegen transportieren. Zunächst auf den Binnengewässern, wo man die ersten Erfahrungen sammelte; in der Frühantike dann begann man das Meer zu erobern.

Auch hier ging es nur zaghaft voran. Zunächst fuhr man beim Tag und bei günstigem Wetter, man liess die Küste nie aus den Augen, hüpfte höchstens bis zu den Inseln, die man am Horizont sah; man befuhr das Meer im Sommer, im Winter ruhte alle Seefahrt. Damit sammelte man neue Erfahrungen; bald wurden kühnere Reisen möglich. Zunächst sind solche Vorstosse ins Unbekannte keine gewollte Angelegenheiten gewesen: man fand sich unversehens in einem Überaschungssturm (beim Homer hiess es dann, man wurde von entzürnten Göttern bestraft), wurde auf das offene Meer getrieben, auf die langwieriegen, manchmal Jahrzehnte dauernden, manchmal gar endlosen Odysseen. Manchmal entdeckte man dabei neue Landstriche und Wohlstand und/oder die Freiheit, die man in der Heimat nicht hatte.

Jedenfalls wäre eine dermassen hochentwickelte Kultur wie heutige, ohne die Sealords, wie die Engländer bezeichnenderweise die Seefahrer nennen, diese kühnen Ritter der Wogen und Herren der Ozeane, absolut nicht vorstellbar. (Und es ist kein Zufall, dass eben die Engländer die Seefahrer dermassen hoch schätzen. Zusammen mit Spaniern und Niederländern sind die Britten die Seefahrer überhaupt gewesen. Sie wussten in diesem Fall, wovon sie reden: der Nelsondenkmal auf dem überhöhen Podest bezeugt anschaulich die Hochachtung des Volkes zu seinen Seemännern.)

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Von 270 Mann und 6 Schiffe, die Magellan auf die erste Weltumsegelung mitnahm, kehrten nur 18 Matrosen auf einem einzigen Schiff zurück. Bereits dieses Beispiel verdeutlicht, was für Opfer die Seefahrt im Dienst an der Idee Mensch darbrachte. Man bedenke nur die Galeerensklaven, die von der Antike bis in die Zeit der Napoleonischer Kriege die wichtigste Antriebskraft der Seefahrt gewesen sind!... Wenn es eine Philosophie als Tat gäbte dann hiesse sie bestimmt Seefahrt, denn genauso wie die Denkkunst die Menschheit in einem geistigen Sinn immer weiter vorwärts brachte, so katapultierte die Seefahrt die materielle Entwicklung weiter, schuf somit die materielle Voraussetzungen für die endgültige Befreiung von der Maloche und anderer Formen der Sklaverei.

Nun hat der Mohr anscheinend seine Schuldigkeit getan...

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Es war eine kleine Reportage im Fernsehen: irgendeine deutsche Uni hat einen Trimaran gebaut, einen hochseetüchtigen Segler, der nun auf eine Weltumsegelung aufbrechen soll.

Die Nachricht erscheint uninteressant, denn was ist schon grossartiges dabei, so etwas wie eine Weltumsegelung passiert heutzutage massig. Der Clou der Nachricht jedoch macht sie zu einer Sensation ersten Ranges - und zu einem brennenden sozialen Problem. Der Segler wird das erste Schiff der Geschichte, das ohne eine Besatzung auf die grosse Fahrt auslaufen wird. Ein Computer übernimmt sowohl die Navigation, wie Steuer, wie Segelsetzen. Von den Satelliten wird er jederzeit präzise Informationen über die Position haben, ein Echolot wird ihn genauso präzise über die Wassertiefe unterm Kiel informieren, Radar wird ihn vor den möglichen Kollisionen warnen, Windmesser wird ihn die nötige Daten für die Segelsetzung liefern; Solarzellen werden das ganze System mit der nötigen Energie versorgen. Es steht ausser Zweifel, dass sich der Roboterschiff bestens bewähren wird.

Nun kommen wir zum sozialen Problem, zur menschlichen Seite dieser Geschichte. Sie ist für unsere Zukunft und für enorme Veränderungen, die uns erwarten, geradezu erschreckend typisch. Kehrt dieses Schiff heil in den Heimathafen zurück, so wird es kaum noch einen Grund geben, den Beruf des Seemannes auszuüben. Das Equipment des elektronischen Seemannes wäre ohne Probleme in jedes Schiff einzubauen, und das im wahrsten Sinn des Wortes für `n Apfel und `n Ei; und da solche Automaten den Reedereien hohe Lohnkosten ersparen werden, so ist es zu erwarten, dass es in nur einigen Jahren ein von den ältesten Berufen nicht mehr geben wird.

Es sei denn freilich auf den schnöden Traumschiffen, wo die einstigen stolzen und unerschrockenen Sealords mehr so als Operettenmatrosen und clowneske Entertainer agieren werden.

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Aber für die kühnen Schiffer der Neuzeit gibt es Raumschiffe, die sich in den Unendlichkeiten des Alls nun ebenso zu bewähren haben, wie sich damals die ersten Galeonen auf den Ozeanen bewährten.

 

 

 

 

 

 

 

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