KUNGFUTIUS´ STECKBRIEF

Kungfutius steht für die schlagkräftige halbchinesische Weisheit und bedeutet in etwa ´der Schlag mit dem Kopf´.

Man erzählt sich in den Steppen Asiens, die Stirn Kungfutius ist von so einer festen Beschaffenheit, dass er damit glatt die Grosse Chinesische Mauer durchschlagen (somit wohl auch zum Einsturz bringen) könnte.

 

 

 

 

 

 

 

Eigentlich kam Kungfutius nicht direkt aus China, doch die Welt kam ihm so chinesisch vor dass er sich immerzu in China wähnte, und sich eben darum zum Halbchinesen erklärte.

Das sind allesamt klassische Mandarine! sagte er zu sich selbst, als er wieder einmal Passanten auf der Strasse beobachtete:
Alles alte Schlitzaugen bis zum Äussersten! Und sie sind nicht nur schlitzäugig! Sie sind auch schlitzohrig und sonstwie schlitzsinnig.

 

 

 

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Ansonsten war Kungfutius für seine Fragen geradezu berühmt. Die Kunst des (Hinter)Fragens ist ja die eigentliche Kunst, das einzige zuverlässige Mittel, sich in der Welt orientieren zu können..

Auch liebte er, wenn man ihm Fragen stellte, doch da mußte man mit der Qualität der Frage sehr gut aufpassen. Kungfutius hatte nämlich seine ganz speziellen Vorstellungen vom Fragen, denn es gibt neben den guten Fragen auch die schlechten.

Auf jedem Fall war er dadurch mit den Antworten fein raus, denn nach seiner Ansicht brauchten guten Fragen kaum eine Antwort, während die schlechten Fragen eine Antwort einfach nicht verdienten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielleicht bin ich

nur ein Hanswurst.

(NietzscheK)

Als Kungfutius endlich einmal erwachsen war, so wollte er auch etwas nützliches leisten, und dem Volke etwas geben.

Hm, mal sehen! sprach er zu sich selbst: am sinnvollsten wird es wohl sein, dem Volke das zu geben, was es noch nicht hat. Nun aber gehört das Volk knallhart zur herrschenden Klasse, und diese hat bekanntlich alles. Und wenn ich mir das herrschende Volk so ansehe, dann hat es wahrhaft alles, vor allem hat es Probleme, doch eins fehlt dem grossen und furchtbaren Herrscher, und das ist ein Hofnarr.

 

 

 

 

 

 

Wir erinnern uns: Hofnarren nannte man die ulkigen, kauzigen Eulenspiegels, die selbst angesichts des blutigsten Despoten jede beliebige Tatsache (auch die für den Despot beleidigende) und jede, und auch noch so boshafte und unverschämte, Spinnerei verbalisieren durften. Solange sie nur lustig gewesen sind, schlug man ihnen wegen ihrer bösen Witze und ihres ungehobelten und liederlichen Mundwerkes wegen keinen Kopf ab (es sei denn, der Herrscher verlor den Humorsinn). Konsequent gedacht meint das: diese Schelme hielten der Welt den Spiegel vor, in dem sie sich bar aller Schminke der Höflichkeit und Taktik und Manipulation und sonstigen Diplomatie und Schauspielereien erkennen konnte.

Heute gibt es solche direkte Orientierungsmöglichkeit nicht mehr. Unsere Zeit hatte jene lustigen Bürschchen unter dem fadenscheinigen Vorwand ausgerottet: wir haben - angeblich! - keine Höfe, wozu also brauchen wir Hofnarren - sie wären überflüssig. Aber das stimmt nicht, denn seitdem das Volk herrscht, so lässt sich das Volk nur noch im Sonntagsstaat sehen, mit den Sonntagsgedanken auf den sonnigen Mienen. Und da braucht es dringend eines Hofnarres, denn das herrschende Volk sollte lieber eigene Alltagsgedanken kennenlernen, um sich endlich selbst zu erkennen. Denn das ist ein schlechter Herrscher, der sich selbst nicht kennt. Also musste das Volk zuerst aus seinem sonnigen Traum aufwachen. Darum brauchte man einen Hofnarren nie so dringend, wie heute.

Natürlich gibt es heute viele Hochstapler, die so tun, als wären sie ehrliche und arglose Hofnarren, doch sie nennen sich abgehoben Entertainer (oder wenn sie ganz ehrlich sind, nennen sie sich Clowns) und so närrisch sind sie auch nicht. Auf gar keinen Fall erfüllen sie ihren Zweck, selbst wenn sie ehrlich suchen, dem Volk zum Durchblick zu verhelfen: dem Volke wird’s bei solchen Narreteien trotzdem nur noch sonniger und schläfriger zumute.

 

 

 

 

 

Wohlan, so will ich also dem herrschenden Volke ein Hofnarr sein! freute sich Kungfutius, endlich eine Aufgabe gefunden zu haben. Und ich werde ein unerbittlich frecher Hofnarr. Denn, wie das schon so ist, muss der Narr rotzfrech sein, und sich trauen, seinem König auch Unangenehmes auf die Krone zu setzen. In unserem Fall ist das nicht nur legitim, sondern absolut notwendig, denn das herrschende Volk hat eindeutig einen in der Krone sitzen – und gegen eine starke Krankheit hilft ja nur eine starke Medizin.

 

 

 

 

 

 

 

 

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