kungfutius´ dilemma

das reden ist dumm, sagt man, und das stimmt unbedingt. anderseits aber - und das stimmt genauso unbedingt - ist das schweigen feige.

TAGEBUCH


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

also sprach kungfutius:

es gibt nichts mehr, was heilig wäre – die massen haben alles besudelt! man darf über alles reden, man darf alles sagen. geheimnisse und mysterien sind vergangenheit.

rede, damit ich dich sehe!

sokrates

 

ja, grübelte kungfutius, man versteht mich nicht. wohl bin ich kein anblick für ihre augen.

man sollte ihnen vielleicht die augen ausstechen, damit sie endlich lernen, mit den ohren zu sehen!

kungfutius über-egoistisch:

ich bin ein angehendes superiores wesen, und es gibt keinen menschen und keinen richter und keinen gott über mich.

mein wille geschehe!

KUNGFUTIUS ÜBER SICH

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Kungfutius als Long John Silver

 

KUNGFUTIUS

(Ein Portrait von Carl Spitzweg)

 

 

 

 

 

 

Kungfutius als Gegensatz der Form

- Warum bist du nur so schlampig, Kungfutius? Dein Deutsch ist unter jeder Sau zu finden – einfach ferkelhaft, und deine Rechtschreibung grauenhaft! nörgelte an unserem Halbchinesen ein Mensch mit starken Ordnungssinn und Vorliebe für vollendete Formen.

- Gut, dass Du Dich danach erkundigst! freute sich der Gefragte: das kommt davon, dass die vollendete Form das Ende der Entwicklung bedeutet. Die sapiale Gesellschaft hatte eine absolute Vollendung erreicht und die Form ist perfekt, aber eben darum gibt es keine Inhalte mehr: die ausgereifte Formen brauchen ja keine neue Ideen.

Im Gegensatz dazu das Neue. Das verwirft alte Formen und Regeln, erscheint darum schlampig, obwohl es nur chaotisch ist. Das Neue ist einfach die Suche nach neuen Inhalten, und diese kann, schon der Natur der Sache nach, am Anfang immer nur formlos sein.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Menschenliebe

- Bis du ein Misanthrop, Kungfutius? fragte einer, dem es nicht entgangen war, dass sich der Halbchinese nicht sehr schmeichelhaft über seine Mitmenschen äusserte.

- Mitnichten! versicherte dieser: ich liebe die Menschen. Aber ich liebe sie auf Distanz. Am liebsten habe ich sie im Fernsehen.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Übertreibung

- Du übertreibst aber ganz schön, Kungfutius! behauptete einmal ein moderater und höflicher Mensch; ein Rüppel hätte glatt behauptet, Kungfutius lüge, dass sich die Balken biegen.

- Du hast recht! gab Kungfutius freudig zu: die Lüge, der ich gerne fröne, ist die Übertreibung.
Und dann sagte er noch so leise, dass nur er selbst es hören könnte: vielleicht aber sehe ich mehr als die anderen.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Widersprüche

Man warf Kungfutius vor, er würde sich ständig widersprechen:

- Einmal stellst du etwas weiss dar, und einige Augenblicke später ist es plötzlich schwarz! sagte man ganz angeekelt von so viel Dummheit bei Kungfutius.

- Tja, meinte Kungfutius ganz cool, also ohne sich irgendwelche Schuld bewusst zu sein: das kommt davon, dass ich auf der Suche nach einer höheren Weisheit bin. Bedenkt man nämlich, dass der weise Sokrates vom Orakel eigentlich nur darum zum weisesten Menschen erklärt worden ist, weil Sokrates, unterm Vorwand unwissend zu sein, den anderen Menschen widersprach, so ist die Weisheit logischerweise noch zu steigern, wenn man sein Unwissen betone, indem man sich selbst widerspricht.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Dummheit

- Warum bist du nur so dumm, Kungfutius? fragte einmal ein Mensch, der sich wohl viel auf seine blendende Klugheit einbildete.

- Tja, dummsein ist sozusagen mein Beruf, sagte Kungfutius extra erfreut, denn er liebte gute Fragen. Das kommt davon, dass man unsäglich dumm sein muss, um wirklich klug denken zu können. Das ist ja ganz klar: dem Klugen gelingt alles im Leben, so pflegt er nicht weiter (= tiefergehender) nachzudenken, sondern geht einfach weiter. Der Dumme jedoch, der tappt aus einem Malheur in die nächste Katastrophe, kann das sozusagen nicht fassen, so denkt er und denkt er fieberhaft nach, grübbelt über die belanglosesten Ursachen und Wirkungen, so geht ihm das Denken dermassen ins Blut, dass er nun fähig wird, sozusagen `im Traum zu denken`. Nicht dass er dadurch kluger wird! Nein, das nicht. Aber er kann eben besonders gut (= klug) Denken.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Langsamkeit

Man fragte Kungfutius, warum er so lange braucht, um nachzudenken.

- Ich bin ein Gegenteil von einem AKW, antwortete dieser: ich bin ein Langsamer Brüter.

 

 

 

 

 

Per aspera ad astra

Man fragte Kungfutius, warum er in Zeiten der Massenmotorisierung überall zu Fuss geht.

- Ich laufe, also denke ich! antwortete dieser.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Rache

- Warum rächst du dich nie, Kungfutius? erkundigte sich ein Christ.

- Das kommt davon, dass ich extra gerne vergebe, meinte dieser: denn es heisst ja `Gott vergibt – Django nie!`. Und bin ich etwa der Django?!

 

 

 

 

 

Kungfutianische Erfolge

Man fragte Kungfutius, warum er keinen Erfolg hat.

- Ja, man will nicht langweilig sein. Nichts ist nämlich so langweilig, wie der Erfolg von gestern, und das ist grundsätzlich bereits morgen jeder Erfolg von heute. So legt man es darauf an, erst morgen, oder besser noch übermorgen Erfolg zu haben. Wer erst übermorgen, also nach seinem Tod Erfolg hat, wird nie langweilig.

 

 

 

 

 

Kungfutius als Lebenskünstler

Warum macht er sich so gerne Feinde? fragte einer ganz vorsichtig, wohl weil er befürchtete sich mit solch einer direkten Frage Kungfutius zum Feind zu machen.

- Weil ich ein grosser Lebenskünstler bin! antwortete Kungfutius (und er sah dabei nicht aus wie ein Mann der scherzt): nach Nietzsche besteht die Kunst des Lebens darin, sich Feinde zu machen, demzufolge ist der grösste Lebenskünstler jener, der die ganze Welt zum Feind hat.

 

 

 

 

 

Kungfutius als Feigling

- Warum scheust du Diskussion, Kungfutius, bist wohl feige, was? fragte einer

- Ja, mit Feigheit hat das weniger zu tun, das liegt mehr am Überdruss am Streit: Diskussionen sind dazu da, um den anderen zu überzeugen, das man selbst Recht hat und die Gegenseite eben im Unrecht ist, und mir liegt sehr fern, irgendwelche Überzeugungen verkünden (= verkaufen) zu wollen. Und da ich ohnehin ziemlich sicher bin, dass jeder von uns für sich im Recht ist, so finde ich auch müssig darüber zu streiten, wer ansonsten noch Recht hat.

 

 

 

 

 

Kungfutius als Dummkopf

- Was bist Du bloss für ein Dummkopf, Kungfutius! schimpfte ein Rechtschaffener mit unserem Halbweisen: jeder weiss, dass das nicht so sein kann, wie Du es erzählst!

- Jeder? Das darf man auf gar keinen Fall behaupten. Ich selbst weiss das z.B. nicht. Und ob auch alle andere es tatsächlich wissen, oder sich die Gewissheit nur einbilden, auch das ist fraglich. Das Wissen als Gewissheit ist uns leider nicht gegeben. Das haben die grössten Denker, von Sokrates bis Nietzsche, einwandfrei herausgefunden. So bezieht sich auch meine einzige Gewissheit auf mein Unwissen. Darum denke ich es mir, da wir ohnehin nur im Glauben und keiner Gewissheit leben, so kann ich auch die gegenteilige Standpunkte einnehmen – und eben das gleiche Recht bzw. Unrecht wie alle zu haben.

 

 

 

 

 

Kungfutius als Held

- Du bist ein Feigling, Kungfutius! sagte ein Recke nun ganz direkt zu unserem Halbchinesen.

- Tja, ich unterscheide mich eben von anderen. Darum bin ich da, wo alle mutig sind, ein ziemlicher Feigling, während ich dort mutig bin, wo alle die Schwänze einziehen.

 

 

 

 

 

Kungfutius apolitisch

- Warum interessierst du dich nicht die Bohne für die Politik, Kungfutius? fragte ein Mensch, der überzeugt war, ein jeder Mensch müsste nur Politiker werden, und schon ginge es uns allen gut.

- Ach, ich kenne da ein spanisches Sprichwort, erwiderte Kungfutius unbefangen: das kann Dir vielleicht eine Antwort geben, denn da heisst es: wenn eine Sache stinkt, soll man nicht noch seine Nase hineinstecken.

 

 

 

 

 

Kungfutius als Ironimus

Man fragte Kungfutius, warum er nicht auf Ironie reagiert.

Ich verstehe die Ironie nicht, meinte Kungfutius: falls jemand zeigen will, er kann es besser, sollte er nicht belächeln, sondern sich konstruktiv zeigen.

 

 

 

 

 

Kungfutius´ Credo

- Du glaubst an nichts, Kungfutius! schalte man verächtlich.

- Doch! widersprach dieser energisch: ich glaube in Märchen und Wunder!

 

 

 

 

 

Kungfutius als `Flying Rooster`

Entweder sterben wir als freie Hühner,

oder beim Versuch, es zu werden.

(Aus `Chicken Run`)

- Du siehst müde aus, Kungfutius! stellte 1x ein barmherziger Samariter fest.

- Kein Wunder! freute sich Kungfutius, 1x auch über die eigenen Sorgen reden zu dürfen: ich komme mir selbst so vor, als suche ich, einem Haufen Hühner das Fliegen beizubringen.

Das ist eine schier undurchführbare Aufgabe. Selbst wenn man vergisst, dass Hühner im Allgemeinen ziemlich kopflos sind, bleibt es trotzdem brutal schwer, vielleicht ja ganz unmöglich, sie in die linden Lüfte der Freiheit zu erheben: die Hühner scheinen in der Tat fluguntauglich zu sein.

 

 

 

 

 

Kungfutianische Witze

Einmal wurde Kungfutius sogar gefragt, warum er selbst nie über seine Witzen lache.

- Warum sollte ich? Ich finde zwar alles lächerlich, meine Witze aber, die nehme ich todernst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man wunderte sich, dass Kungfutius so wenig von der Meinungsfreiheit hält.

- Das kommt davon, dass ich gegen aller auferlegten Pflichten bin, und die Meinungsfreiheit ist heutzutage kein Recht, sondern knallharte Pflicht.

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Einmal wurde Kungfutius gefragt, was er von Medien halte.

Medien? fragte er zurück: ich sehe nirgendwo Medien, ich sehe überall nur Gebetsmühlen.

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- Was ist deine wichtigste Charaktereigenschaft, Kungfutius? fragte einmal ein Mensch, der ein bisschen wie Freud ausschaute.

- Die ist extrem knapp! meinte der Halbweise: ich bin kein Berliner.

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Warum opponierst du immer Kungfutius?

Das kommt davon, dass ich mir 1x, damals war ich noch ein Kind, vorgenommen habe, alles anders als alle Anderen zu sehen.

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- Warum machst du immer Witze und bist nie ernst, Kungfutius? fragte einmal ein Puritaner.

- Ich verstehe eben Spass, und Ernst verstehe ich nicht, antwortete Kungfutius, der durchaus nicht immer Spassmachte.

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- Deine Texte sind schon interessant, Kungfutius, jedoch viel zu unanständig und man muss sich schämen, kungfutius.de zu besuchen, meinte ein ausnahmsweise ehrlicher Mensch.

- Ja, meinte Kungfutius: eben im Internet sollte das kein Problem sein! Man benutze Webwasher, und schon darf man auch als überzeugt humaner Christ kungfutianische geistige Pornographie geniessen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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