WERBESPOTS

 

Zeitgeistig

Wer ist heutzutage ein Pechvogel?

Der freilich, der beim Zappen nur Werbung erwischt.

 

 

 

Die Verdummung der Welt...

... erfolgt durch die Werbung: die Dümmsten (= am leichtesten Verführbarsten), die am ehesten auf Werbung ansprechen, ziehen die anderen nach sich, erschaffen die Trends (auch die der geistigen Art) und geben den Ton an.

 

 

 

Werbung als Religion

Die Religion ist tot – es lebe die Werbung!

Die Werbespots sind so eine Art des Hochamts für den modernen Atheisten von heute.

Die Werbung hat alle Eigenschaften der Religion. Sie ist rituell, ihre Klischees werden zwar kreativ, eindeutig aber doch stereotyp angebracht, in gleicher `griffigen` Form in der auch die Religionen ihre Glaubenssätze in die Köpfe der Gläubigen eintrichtern. Zudem werden auch da Geschichten erzählt, die für jeden einen evident unrealistisch und märchenhaft (schön) sind, an die trotzdem ein jeder mit einer richtigen Schafshingabe glaubt. D.h. die Werbung ist eine Sache des noch unbedingteren Glaubens als Religion. Das Publikum muss ohne wenn und aber in die (Werbe)Botschaften glauben, denn nur so erfüllt die Werbung ihren Zweck.

 

 

 

Persuasion

Die Werbung hat mit der Wahrheit, also auch mit dem tatsächlichen Eigenschaften der Ware, die da angepriesen wird, im Grunde genommen gar nichts gemeinsam; bei der Werbung geht es ja nicht um irgendwelche Wahrheit, sondern um Blendwerk der knalligen Formulierungen und starken sprachlich-visuellen Effekten - sie soll ja die Menschen nur über-reden.

Ein schönes Beispiel dieser `blendenden Funktionalität` ergibt die Werbung für einen Disney-Film, wo es total unlogisch, ja eigentlich nur zu blöd aber sehr wirkungsvoll heisst:

Eine Geschichte, die 2000 Jahre alt ist! Eine Geschichte, die nie zuvor erzählt wurde!...

Die Aussage ist selten dämliche: eine Geschichte, die noch nie erzählt wurde, kann unmöglich 2000 Jahre alt sein.

Oder ein anderes Beispiel.

Eine Drogerie wirbt für ihre Fotodienste mit sagenhaft günstigen Preis von neun Pfennige pro Abzug:

Hauptsache der Preis ist gut getroffen! lockt der locker-leckere Slogan die Kundschaft.

Da ist jedenfalls der Sinn der Ami-Zivilisation gut getroffen:

Es ist nicht wichtig, ob auf dem Foto etwas zu sehen ist! Hauptsache, man hatte es preiswert bekommen!

 

 

 

Die Psychopathologie der Werbung

Live life kingsize!

(Werbeplakat in einem kongolesichen Kaff)

Als Beispiel nehme man ein Werbespot für Haartöner. Natürlich ist das Model darin ein Traum-Girl und alles an ihr und vor allem ihr frecher Augenaufschlag richtete sich natürlich auf das männliche Publikum. Das ist sicher kein Kunde für die angepriesene Ware, doch die potentielle Kundinnen, die den Spot sehen, erkennen wohl den Wert des Haartöners im Ansprechen und Betören des potentiellen Opfers. Also greift die Frau selbst zum Haartöner, um möglichst just die Wirkung auf die Männer auszuüben, die das Model auf das Publikum ausübe. Das ist die allgemeinbekannte, sagen wir die sichtbare Ebene der Werbepsychologie.

Auf der zweiter, oder Psi-Ebene sind die Spotmacher, vor allem das Agieren des Models, von dem Publikum ihres Spots abhängig, das wie gesagt nicht unbedingt mit der angesprochenen Zielgruppe identisch sein muss. Mit anderen Worten: durch sein Benehmen, vor allem durch die Akzeptanz des Spots, beeinflusst das Publikum die Spotmacher. Sie sind gezwungen, dem Publikum das anzubieten, was sich dieses wünsche.

Die dritte, eine retardierende Ebene ist durch die vorausgegangene Beeinflussung des Publikums seitens der Werbung gegeben. Denn natürlich erzieht sich die Werbung ihr Publikum. (Diese Ebene wird aber darum `retardierend` genannt, weil die Werbung in dieser Beeinflussung natürlich von der Allgemeinstimmung des Publikums selbst beeinflusst ist, also die Trends benutzen und ausbauen muss, die ohnehin im Aufkeimen sind, die aber von der Werbung selbst initiiert wurden.)

Die vierte, höchste der erkennbaren Beeinflussungsebenen, ist die Omega-Beeinflussung. Das ist die Ebene der energiegeladenen Gefühle, die nun in der Noosphäre und im Zeitalter der interaktiven Kommunikation mannigfaltigen Chancen und Möglichkeiten bekamen, sich ungehindert über die Welt auszubreiten. In etwa und grob vereinfacht ging diese Beeinflussung so vor sich hin, dass die reine Gefühle, die in Werbespots enthalten sind, auf der zweiten Ebene in Kollision, gegebenenfalls Kohäsion, zu jenen des Publikum/Konsumenten kommen und sich immer höher schaukeln, wobei die Sehn-Süchte geradezu überschäumen. Diese Konstellation erweist sich als besonders Aggressivitätsgeladen.

So ist es im Ernst anzunehmen, dass wir viel von der Kriminalität (und da ganz besonders der Jugendkriminalität gerade solcher) Omega-Beeinflussung durch die Werbung zu verdanken haben. Man kann sich leicht vorstellen, wie sich ein armer Kongolese fühlt, wenn er durch Werbung aufgefordert wird, durch das Leben mit Vollgas zu sausen, es sozusagen in vollen Zügen zu geniessen - er, der eigentlich sein Leben nur in äussersten Verzweiflung, weil in höchster Not, zu fristen vermag.

 

 

 

Beeinflussung als Faschismus an sich

Man fahndet nach den Ursachen des Faschismus. Möglicherweise erzieht gerade die Werbung die Menschen dazu. Sie öffnet bei dem Publikum die Neigung, sich manipulieren zu lassen und entwickelt sie durch ständige Einwirkung und Beeinflussung. Die Demagogen brauchen sich dann nur der gleichen Technik zu bedienen, um grundsätzlich gleiche Wirkung zu erzielen: das Volk nach der eigenen Pfeife tanzen zu lassen.

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Und wegen dieser ständigen Beeinflussung hatte sich auch das alltägliche Denken in eine komische Richtung entwickelt.

Das Denken des Volkes ist zu einem Kreis-Denken geworden. Der Kreislauf geht dann in etwa so vor sich hin: man denkt zuerst an den Lohn, dann an das Brot (Brot im Sinn vom Konsum, das man sich dafür leisten kann), sodann (da Konsum schon eine vergnügliche Sache ist) ans Vergnügen, wobei man wieder beim ersten Schritt wäre, nämlich an den Lohn zu denken, der in meisten Fällen für allzuviel Vergnügen ohnehin nicht ausreiche.

Dieses Kreis-Denken ist eine, nicht nur durch Erfahrung, sondern primär durch Medien und, noch penetranter, durch die Werbung den Menschen aufgezwungen, eingeimpft, antrainiert. Das ist in etwa wie mit jenen bedauernswerten Ponys, die im Zoos und Vergnügungsparks den Kindern für das Reitvergnügen parat stehen, und da immerzu im Kreis laufen müssen. Nachdem sie einige Zeit, einige Jahren etwa, ausschliesslich nur im Kreis gelaufen sind, können diese elenden, missbrauchten Kreaturen auch frei nur noch im Kreis laufen.

 

 

 

Die zynischen Mörder

Um die Verlogenheit der Gesellschaft und Zeit durchzuschauen, genügt es, sich des endlosen, menschenverachtenden Zynismus bewusst zu werden, mit dem die Werbung agiert. So die bemüht-witzige Zigarettenwerbung. Ha-ha-ha! heisst es da im Klartext hinter den cool-durchdachten optischen und verbalen Gags: ha-ha-ha! Deine Lunge geht kaputt, und wir verdienen Schweinegeld damit, aber lach` dich trotzdem tot - es ist auch wesentlich lustiger und sozusagen humaner am Lachen zu krepieren, als am Lungenkrebs. Ha-ha-ha!...

Oder wohl der übelste und faschistischste (weil verlogenste) Slogan `Ich rauche gerne!`. Ja, ich rauche gerne! heisst es da optimistisch und manipulativ verdorben. Die Tatsache ist, dass kein Schwein gerne raucht (es sei denn die dummen, grünschnabeligen Teenager, die total verzweifelten Desperados, die sich längst aufgegeben haben, oder jene amerikanisch übermütige Dummköpfe, die tatsächlich jede Kacke freudig mitkonsumieren, die ihnen die Systempropaganda vorsetzt). Beweis dafür ist der Wunsch meisten Raucher, dem Laster so schnell wie möglich zu entsagen. Mit dem gemeingefährlichen Slogan sollten die Menschen auf ihre Glimmstengel fixiert werden; ach, da gibt es also welche, die rauchen gerne, warum soll ich es dann nicht gerne tun - also resigniert der arme schwache Mensch.

Zumal es ihm auch seitens der Medien gar zu penetrant eingeredet wird, dass man von dem Laster ohnehin nicht loskommt. Du bist zu schwach, Mensch! heisst es in den medizinischen Ratgebern und in Reportagen über Amputationen von Raucherbeinen und in den Nachrichten über Krebstoten: du kannst mit dem Rauchen nie mehr aufhören! Du sollst zwar auch weiterhin für jede schnöde und betrügerische und lächerliche Anti-Raucher-Therapie tüchtig berappen, das aber nur, um dein schäbiges, feiges Gewissen zu beruhigen - von dem Glimmstengel aber kommst du garantiert nie los, du Memme! Eher krepierst du am Lungenkrebs!...

 

 

 

Humanität oder Werbung

Der Wahnwitz unserer Denkschablonen ist wahrhaft nicht zu überbieten. Als man sich - wieder einmal - mit den Gedanken befasste, die Werbung für legale Letal-Rauschgifte zu verbieten, namentlich die Tabakwerbung, so ging die Werbewirtschaft auf die Barrikaden und nutzte die Angst vor Arbeitslosigkeit, um ja gar keine Änderungen des status quo zuzulassen: Werbeverbote vernichten Arbeitsplätze! hiesst es da.

Die Herrschaften haben wieder einmal den Grundpostulat dieser Gesellschaft aus der Acht gelassen: die gnadenlose Humanität. Mögen die Werbeverbote die Arbeitsplätze vernichten, so vernichtet Tabak die Menschen, so wäre es für eine humane Gesellschaft nur zu billig und natürlich, wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen, um die Menschen zu schützen.

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Eben die Werbung für die legale Rauschgifte (die schon an sich perverseste Form der Massenbeeinflussung bedeutet, weil da eigentlich für den Selbstmord auf Raten geworben wird) entlarvt anderseits das Gerede der Prohibitionisten, bestimmte Drogen werden aufgrund ihrer Verwerflichkeit und Gefährlichkeit verboten, als faschistische Hetze.

 

 

 

Werbe-Spots oder der reinste Blödsinn

Ein spindeldürrer Männlein trägt T-Shirt mit Werbung eines Fitnes-Zentrums. Wahrhaft keine gute Werbung für jene Athlethenmacher.

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Für eine Zigarette kann man mit fast alles Werben, meint eine Benson & Hedges-Werbung.

Ja warum wirbt man dann nicht mit einem Stinktier? Für eine Zigarette wäre das genau richtig.

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Eine andere Benson & Hedges-Werbung behauptet: die Mutter Erde raucht doch auch.

Sicher tut sie das. Aber nicht aus Gier und Frust!

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Seien Sie wählerisch! wirbt Winston.

Der Hintergrund der Werbebotschaft: bringen Sie sich mit teueren Zigaretten um.

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Eine Kölner Brauerei wirbt - so was von ehrlich! - mit einem Bierdeckel als beliebtesten Kreditkarte.

Und in der Tat: die Säufer pflegen ja das Haus und Hof und alles Hab und Gut zu `verflüssigen`, so bleibt ihnen am Ende nur ein Bierdeckel als einzige Bestätigung ihrer Existenz.

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Eine Ladenkette preist in Anzeigen ihren beliebtesten Kaffee. Das ist zugleich auch der billigste Kaffee, den die Firma anbietet, und das entlarvt die Anpreisung als eine Lüge.

Den billigsten Kaffe nämlich – mag er auch sehr gut sein - kauft kaum ein Mensch aus freien Willen. Das ist schon in menschlichen Selbstverständlichkeit verankert, ein bisschen Achtung vor sich selbst zu haben, und da neigt man eben gut dazu, sich mit den Augen der anderen zu sehen.

Mit den Augen jener, zum Beispiel, die mit an der Supermarktkasse sind.

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Anti-Pickel-Werbung: ein nackter Teenie unter der Dusche klagt verzweifelt, er würde sich unentwegt das Gesicht schrubben und hat trotzdem Pickeln...

Na! Dem Jungferlein wäre leicht geholfen. Anstelle das Gesicht, sollte sich die Kleine öfters mal weiter unten schrubben (gegebenenfalls schrubben lassen; so wie sie aussah würde ihr das - mit Pickeln oder ohne - jeder Herr unter den Zuschauern gut und gerne besorgen), dann ist sie garantiert ihrer Pickeln los!

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Ein Boulevardblatt wirbt: Heisse Eisen anfassen, ohne andere platt zu machen.

Ja, ja! Darum wird es in der Welt immer besser, weil so viele heisse Eisen von der Boulevard-Medien angefasst werden. Und darum laufen auch kaum kaputte Menschen herum, weil die Boulevard-Medienmenschen in ihrem Bestreben nach Erfolg niemanden platt machen.

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`Rot ins Rathaus!` wirbt Kölner PDS.

Da könnte man sich aber viel treffendere Slogans vorstellen. Wie wäre es, zum Beispiel, mit `Rotes Licht ans Rathaus!`? Mit der Aussage: da kann sich jeder Kapitalistenfreier entsprechend verwöhnen lassen.

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PDS-Europawahl-Werbung:

Europa schaffen ohne Waffen!

Das ist ja selbstverständlich! Wir alle wissen es ja, dass Europa nur durch den Appetit der Politiker zu schaffen ist.

Oder:

Das Herz wird nicht an der Börse gehandelt!

Das ist ein ganz dummer Irrtum. Seit Prof. Barnard wird das Herz und ob an der Börse gehandelt.

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Das Wort Slogan, übrigens, kommt aus keltischen slough arma – das Kriegsgeschrei.

Das heisst, die Werbung ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

 

 

 

 

 

 

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